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Save the Date 28. September 2019

Newsarchiv

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Comeback ohne schlechte Souvenirs

„Der Wiederanfang nach Sydney war sehr schwierig. Ich war psychisch am

Boden, aber meine Familie, meine Freunde und mein Trainer haben mir sehr

geholfen“, erzählt Hicham El Guerrouj nach seinem 3000-m-Sieg bei

den Hallen-Weltmeisterschaften in Lissabon. Verschwunden sind inzwischen auch

die Fotos aus dem Wohnzimmer des 26-jährigen Marokkaner. „Wenn ich

in mein Zimmer komme, dann möchte ich nicht mehr daran erinnert

werden“, erklärt Hicham El Guerrouj. Ein Foto zeigte den

Weltrekordler über 1500 m, die Meile und 2000 m, wie er seine bis vor

Sydney schwärzeste Stunde erlebte: Im olympischen 1500-m-Finale von

Atlanta war er 1996 just über das Bein seines damals schärfsten

Konkurrenten Noureddine Morceli (Algerien) gestolpert. Danach musste er vom

damaligen marokkanischen König Hassan II persönlich getröstet

werden, um wieder auf die Beine zu kommen. Fortan war jenes Foto knapp vier

Jahre lang die große Motivation für Hicham El Guerrouj, es besser zu

machen. Doch nach Sydney gab es neues Foto: es zeigte, wie der Kenianer Noah

Ngeny knapp vor ihm ins Ziel lief. Für Hicham El Guerroj war eine Welt

zusammengebrochen. Zwischen den Spielen und schon vor Atlanta hatte er seine

Strecke dominiert. Von 46 Rennen über 1500 m verlor er nur zwei –

die olympischen Finals. „Jetzt konnte ich die schlechten Souvenirs nicht

mehr sehen, deswegen gibt es sie nicht mehr.“

Nach den Olympischen Spielen reichten Hicham El Guerrouj 35 Tage Urlaub

nicht, um sein Trauma zu verarbeiten. „Es war so schwer, dass ich an

manchen Tagen gar nicht zum Training gegangen bin.“ Erst nach gut drei

Monaten hatte er sich erholt. „Anfang Januar fühlte ich, dass meine

Form langsam zurück kommt, und dann war auch meine Motivation wieder

da“, erklärt Hicham El Guerrouj, der vor der Hallen-WM nur zwei

Rennen gelaufen war. In Gent hatte er die zwei Meilen gewonnen und in

Liévin die 1500 m, bevor er nun in Lissabon erstmals über 3000 m

zur Goldmedaille lief. „Für mich zählte hier nur der WM-Titel.

Das größte Problem war die psychologische Last, der Welt zu zeigen,

dass Hicham El Guerrouj noch lebt“, sagt der Marokkaner, der ebenso wie

die anderen Leichtathleten seines Lands von der Förderung des

Königshauses profitiert. „Der neue König unterstützt uns

genauso wie der alte, er ist ebenso Leichtathletik-Fan", hatte Aziz

Daouda, Manager der marokkanischen Läufer, über König Mohammed

VI gesagt und hinzugefügt: "Wir haben in Marokko keine Sponsoren

für die Leichtathletik, aber dafür haben wir den König."

Als Anerkennung für die Erfolge, pflegt der Monarch seinem Sportstar Land

zu schenken. Das führte nach den Olympischen Spielen jedoch dazu, dass

nicht mehr alle Landsleute Hicham El Guerrouj verehren. Farmern war jenes Land

weggenommen worden, das der Silbermedaillengewinner in der Nähe seines

Heimatortes Berkane geschenkt bekam. El Guerrouj bereichere sich auf Kosten der

Armen, kritisierte ein Gewerkschaftssprecher. Doch der Läufer entgegnete,

er könne ein Geschenk des Königs nicht ablehnen.

Mit seinen fünf WM-Siegen und einer Reihe von Weltrekorden sowie

etlichen Grand-Prix-Erfolgen dürfte Hicham El Guerrouj längst ein

Multimillionär sein. Doch trotzdem hat er noch nicht genug. In einem

Interview sagte der Läufer: „Ich bin nicht zufrieden damit, dass die

IAAF das Preisgeld für die Sieger bei der Hallen-WM reduziert hat. Wenn

sich daran nichts ändert, dann werde ich in Zukunft hier nicht mehr

starten!“ Es geht um 10.000 Dollar, für El Guerrouj also eine Art

Trinkgeld. Der Leichtathletik-Weltverband hatte die Siegprämie für

Platz eins von 50.000 auf 40.000 Dollar reduziert und dafür erstmals auch

für die Ränge vier bis sechs Gelder ausgeschüttet. Diese

Plätze liegen freilich außerhalb der Vorstellungskraft eines Hicham

El Guerrouj.

Weil das für ihn wertlose Silber von Sydney nicht seine letzte Medaille

über die 1500-m-Strecke sein soll, hat Marokkos Läuferstar seine

Pläne geändert. „Bei der WM in Edmonton will ich noch einmal

über 1500 Meter antreten. Nur wenn sich der Zeitplan noch ändert und

dadurch ein Start über 5000 m möglich sein könnte, würde

ich mir den Doppelstart überlegen“, sagt Hicham El Guerrouj, der

danach in Zürich den 5000-m-Weltrekord von Haile Gebrselassie

(Äthiopien/12:39,36) brechen möchte. „Das wird dann auch meine

Strecke in Athen 2004 sein.“ Insofern hätten die olympischen

Erinnerungsfotos von den 1500-m-Rennen sowieso keinen Wert mehr.

 

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