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Das sollten Inline-Skater jetzt beachten – Empfehlungen von Sportwissenschaftler Dr. Olaf Hoos

Hobby-Skater sollten nicht unbedingt versuchen, die ganze Strecke in extrem tiefer Position zu fahren, empfiehlt Sportwissenschaftler Olaf Hoos den Teilnehmern des 26. Vattenfall BERLINER HALBMARATHON. Im Interview hat der Inline-Experte jede Menge weitere Tipps und Informationen aus Sicht aus Sicht der Sportwissenschaften.

Der 26. Vattenfall BERLINER HALBMARATHON ist für die Inline-Skater der erste Wettkampf nach einer langen Winterpause. Nicht jeder wird über die letzten Monate so wie geplant trainiert haben. Was heißt das für den Start am 2. April?

Olaf Hoos: Im ersten Wettkampf nach langer Pause treten häufig Rückenprobleme auf. Zudem haben Leute, die in Carbon-Schuhen fahren, oft auch Probleme im Bereich Fußes bzw. der Unterschenkelmuskulatur. Für ein sinnvolles Wintertraining ist es deshalb grundsätzlich empfehlenswert, seine Ausdauer durch die großen Ausdauersportarten (Radfahren, Laufen, Skilanglauf, etc.) zu trainieren und additiv dazu regelmäßig ein Krafttraining speziell für den Rumpf- und Rückenbereich zu machen. Gleiches gilt auch jetzt, da nur noch wenig Zeit ist bis zum Wettkampf: zwei mal pro Woche Ausdauertraining von etwa 45 bis 90 Minuten und mindestens einmal wöchentlich Krafttraining, um den Rücken in Schuss zu bringen, sind jetzt wichtig. Darüber hinaus ist es sinnvoll, sich auch an die spezifische Skate-Position und Bewegung zu gewöhnen. Wenn das witterungsbedingt noch nicht auf der Straße geht, dann kann dies auch beim Eisschnelllaufen oder in der Halle geschehen.

Wie bewerten Sie die Belastung eines Halbmarathon für das Herz-Kreislauf-System sowie für Muskulatur und Gelenke?

Olaf Hoos: Die Beinmuskulatur wird beim Inline-Skating vielseitig beansprucht. Zum einen haben wir eine statische Belastung in der Gleitphase, zum anderem erfordert der explosive Abdruck ein hohes Maß an Schnellkraft bzw. Schnellkraftausdauer. Was die Herzfrequenzwerte angeht, verhält es sich ähnlich wie beim Laufen. Man muss allerdings bedenken, dass die Belastung des Herz-Kreislauf-Systems für Ungeübte immer etwas höher ist als beim trainierten Skater, da eine schlechtere Technik einen höheren Energieeinsatz erfordert.

Welchen Tipp haben Sie für Freizeit- und Fitness-Skater in puncto Rumpf und Rücken im Wettkampf?

Olaf Hoos: Hobby-Skater sollten nicht unbedingt versuchen, die ganze Strecke in extrem tiefer Position zu fahren. Im Windschatten – das machen auch die Profis – sollte man sich immer mal wieder aufrichten. Die sehr tiefe Skate-Position ist überhaupt erst bei sehr hohen Geschwindigkeiten ab circa 25 km/h sinnvoll. Bis dahin ist eine leichte Sitzposition völlig ausreichend.

Insbesondere das Rollentraining kommt wetterbedingt bei vielen Teilnehmern momentan zu kurz. Erhöht sich dadurch das Verletzungsrisiko?

Olaf Hoos: Grundsätzlich lohnt sich ein Hallentraining, wenn die Straßen nicht befahrbar sind. Dadurch kann man technische Rückschritte vermeiden. Auch vor dem Wettkampf sollte man sich unbedingt noch mal auf Rollen stellen, und sei es nur auf einem Parkplatz. Zugleich haben wir bei Wettkämpfen das Problem, dass wir uns den Platz mit vielen anderen teilen müssen, die alle deutlich mehr Platz benötigen als das bei den Läufern der Fall ist. Dafür lohnt es sich, vorher das Fahren in der Gruppe bzw. im Feld zu üben. SCC-Skating und das XSpeed-Team bieten an den kommenden Samstagen ein kostenloses Vorbereitungstraining für den Halbmarathon an, dass ich in dieser Hinsicht nur empfehlen kann. Auch die Nightskatings bieten gute Trainingsmöglichkeiten für das vorausschauende Fahren in der Gruppe.

Skaten ist nicht wie Fahrradfahren. Man hat keine mechanische Bremse, sondern muss selbst bremsen können. Insbesondere im Wettkampf ist das eine grundsätzliche Bedingung. Das Material ermöglicht auch technisch weniger versierten Fahrern in kürzester Zeit sehr schnell zu fahren. Das kann im Wettkampf in Bereiche führen, die man nicht mehr kontrollieren kann, das sollte man immer im Hinterkopf behalten. Nur wer die Technik beherrscht, der verringert auch sein Verletzungsrisiko. Bei einem adäquaten technischen Leistungsvermögen ist das Verletzungsrisiko im ausdauerorientierten Inline-Skating nicht größer als in den meisten anderen Sportarten.

 

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