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Save the Date 28. September 2019

Newsarchiv

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Duisburg – Marathon 2003

“Wanderer, kommst du nach Spa ..., schrieb Heinrich Böll in seiner

berühmten Erzählung im Jahre 1950.

52 Jahre später, im Herbst 2002, stellte sich für die Läufer

des Team Oberhavel eine ähnliche Frage: “Läufer, kommst du nach

Duisburg .... Im nächsten Atemzug eine weitere Frage, warum wohl sollten

wir von Stadt- und Landschaftsmarathons verwöhnten Ausdauersportlern

eigentlich eine Reise an den Rand des Kohlenpotts wagen? In einer

Industriestadt, 535.000 Einwohner, eingebettet zwischen Rhein und Ruhr am

westlichen Rand des Ruhrgebietes, soll eine Veranstaltung stattfinden, die

neben Attraktivität auch noch Stimmung verheißt? Vorweg: Duisburg

ist grüner als sein Ruf, vorbei die Zeiten der schwarz rauchenden und

stinkenden Schlote sowie der Zechen mit ihren Kohlenbergen. Dies alle

gehört der Vergangenheit an, der Kohlenpott auf dem Weg zum

Naherholungsgebiet.

Die Antwort auf unsere Fragen fanden wir in der Ausschreibung: Deutsche

Meisterschaften sollten der 20. Auflage dieses Marathon – Urgesteins

einen würdigen Rahmen geben. Außerdem wurde den Teilnehmern ein

Samba Marathon versprochen, für Stimmung war demnach auch gesorgt. Ein

zusätzliches Highlight sollte der Zieleinlauf in das Wedau Stadion

sein.

Diese Gründe führten schließlich zur Entscheidung für

Duisburg. Mit 35 Euro im Vorverkauf für eine solche Veranstaltung sehr

preiswert – auch wenn hier einige Läufer widersprechen werden; doch

rechnet man die Kosten für eine derartige Veranstaltung mal zusammen, sind

selbst Startgelder bis 70 Euro akzeptabel, letztendlich wird auch niemand

gezwungen dort anzutreten – rechnet man auch noch ein Funktions-Shirt

hinzu, meldeten sich vier Teilenehmer des Team Oberhavel für die Deutschen

Meisterschaften. Heimlich schielte man auf eine Platzierung unter den ersten

Drei in der M45 der Mannschaften.

Jede Veranstaltung, die etwas auf sich hält, richtet neben dem

Hauptevent noch weitere Rahmenwettbewerbe aus. In Duisburg ein Halbmarathon und

– in diesem Jahr – die Inline-Europameisterschaft der Senioren im

Marathon. Die Vorbereitungen auf diesen ersten Saisonhöhepunkt verliefen

für alle Beteiligten überaus zufrieden stellend; lange Läufe und

konsequentes Bahntraining schafften die Grundlage, dieses Ereignis gut zu

bewältigen. Die Wettervorhersage für das bevorstehende

Marathonwochenende dämpften jedoch sämtlichen Optimismus:

Temperaturen von über 30°C ließen die Hoffnung auf gute Zeiten

schwinden.

Der Start vor dem Stadion – obwohl um 8:45 Uhr früher als bei

jeder anderen Veranstaltung – verlief bei etwa 23°C noch relativ

optimistisch, doch bot die Strecke auf weiten Teilen keinen Schatten. Jedes

Bäumchen und jede Hauswand wurde als Schattenspender von den Läufern

gerne angenommen. Erschwerend kam hinzu, dass die Verpflegungspunkte bei km 5

und 12 bei weitem nicht ausreichten und viel zu weit auseinander lagen.

Angesichts der Temperaturen hätte der Veranstalter hier sofort reagieren

müssen. Im weiteren Verlauf besserte sich die Situation, muss

schließlich sogar als vorbildlich bezeichnet werden. Rechnet man die

Unterstützung der anwohnenden Bevölkerung mit Wannen und

Schläuchen hinzu, war die Versorgung ideal. Die Zuschauer am

Straßenrand waren nur spärlich auszumachen, Angaben des

Veranstalters zufolge sollen es 100.000 gewesen sein, was ich jedoch stark

anzweifeln möchte. Einzig beim Einlauf in das Stadion hatte man das

Gefühl breiter Unterstützung.

Die Streckenführung entpuppte sich als zunehmend unattraktiv: durch

Hafen, kleinere Stadtteile mit geringem Zuschauerzuspruch, zwei Ruhr- und zwei

Rheinbrücken sowie viele Wohngebiete zog sich der Kurs bis zum Wedau

Stadion. Einzig der Abschnitt entlang des Rheins ist recht sehenswert, hier

erschließt sich ein schöner Blick auf die Industriemetropole.

Die kurze Strecke mitten durch eine Chemiefabrik wird wahrscheinlich jedem

Läufer in Erinnerung bleiben, der schwere aromatische Geruch

hinterließ nicht den Eindruck wohlriechender Düfte.

Durchsetzt von einigen kleinen Anstiegen im Bereich von Brücken und

Unterführungen ist der Duisburger Kurs sehr flach und gut zu

bewältigen. Nach allen Strapazen entschädigt der Einlauf in das

Stadion, jeder Läufer wird namentlich an der Anzeigentafel willkommen

geheißen. Der angekündigte Samba-Marathon konnte von keinem unserer

Läufer entdeckt werden. Vielleicht sind viele Musiker angesichts 31°C

im Wedau Sportpark schwimmen gewesen. Mit Ausnahme der Sinalco Samba Band bei

km 41 und im Stadion war es entlang der Strecke ziemlich ruhig und trostlos. Um

die Eingangsfrage wieder aufzunehmen: “Läufer, kommst du nach

Duisburg ...“ muss ich klar resümieren: nicht noch einmal. Ich denke

eher, Hamburg oder der Rennsteig – als Vertreter eines Stadt- bzw.

Landschaftsmarathons zu dieser Jahreszeit – sind die besseren

Alternativen, selbst bei schlechtem Wetter.

Trotz aller Kritik sollte man doch die liebevolle Organisation nicht

unerwähnt lassen. Abgesehen vom Versorgungsengpass bis km 12 gab es kaum

etwas zu beanstanden. Ein anderer Termin und ein schönerer Kurs

würden vielleicht für mehr Resonanz sorgen. Ach übrigens: alle

Läufer vom Team Oberhavel sind trotz tropischer Temperaturen gesund ins

Ziel gekommen. Zu einem Platz auf dem Treppchen in der Mannschaftswertung hat

es wegen des Infekts eines Teilnehmers leider nicht gereicht. Trotzdem waren

alle zufrieden.

Karsten Rybka

 

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