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Save the Date 28. September 2019

Newsarchiv

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Kenianer trotzen Schnee, Wind und Konkurrenten bei “ihrem“ Bewag BERLINER HALBMARATHON

Schnee- und Hagelschauer machten die Kenianer zwar etwas langsamer als geplant,

aber aufhalten ließen sich die afrikanischen Topläufer nicht –

schon gar nicht von ihren Gegnern. Bei der 23. Auflage des Bewag BERLINER

HALBMARATHON setzten die Athleten aus der Laufnation Nummer eins ihre

Erfolgsserie fort.

Zum siebenten Mal in den letzten neun Jahren kommt mit Paul Kirui der

Gewinner aus Kenia. Der 23-Jährige lief angesichts der widrigen

Bedingungen mit teilweise starkem Gegenwind eine erstklassige Zeit von 61:05

Minuten und war vor sieben Landsleuten im Ziel. Auf Rang neun folgte dann der

Marathon-Europameister Janne Holmen (Finnland/64:20). Im vergangenen Jahr

hatten die Kenianer bei “ihrem“ Bewag BERLINER HALBMARATHON gleich

die ersten 13 Plätze besetzt. Bei den Frauen sorgte nun Magdaline Chemjor,

die ebenso wie Kirui eine Siegprämie von 2000 Euro erlief, für den

fünften kenianischen Erfolg in Serie. Nach 71:12 Minuten war die

24-Jährige vor Lenah Cheruiyot (Kenia/72:00) und Carmen Siewert

(Greifswald/73:55) im Ziel.

Mit alles zusammen 17.692 Teilnehmern aus 63 Nationen gab es einen

Teilnehmerrekord, der gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von rund 20

Prozent bedeutete. Diese Zahl teilte sich auf in 13.948 Läufer, 2003

Inline-Skater, 237 Walker, sechs Rollstuhlfahrer sowie 1498 Starter, die bei

einem 4-km-Lauf beziehungsweise einem Kinderrennen dabei waren. Schnellste

Inline-Skater waren Kalon Dobbin (Neuseeland) in 37:21 Minuten und die

Vorjahressiegerin Silvia Nino (Kolumbien/44:41). Auch die Inline-Skater litten

unter den ungünstigen Wetterbedingungen. Die Siegzeiten lagen um mehrere

Minuten über den Streckenrekorden. “Das waren natürlich

außergewöhnliche Bedingungen. Aber wir haben die Veranstaltung

trotzdem ganz gut über die Bühne bekommen. Mit der Teilnehmerzahl und

den Ergebnissen können wir sehr zufrieden sein. Wir haben eine Steigerung

von rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr, also etwa 3000 Teilnehmer mehr.

Und trotz des widrigen Wetters gab es einige Läufer, die persönliche

Bestzeiten erreichten“, sagte ein zufriedener Cheforganisator Horst

Milde, der mit seinem Team in verschiedener Hinsicht improvisieren musste. So

waren die geplanten Umkleide- und Duschzelte am Abend zuvor regelrecht

weggeflogen durch den Wind. Sie mussten wieder abgebaut werden.

Dass vor allen Dingen bei den Männern eine auch international

hochklassige Siegzeit herauskam, dafür hatten unterwegs Paul Kirui und

sein Landsmann James Kwambai gesorgt. Nach etwa sechs Kilometern hatten die

zwei Läufer, die beide vom italienischen Manager Gabriele Rosa betreut

werden und aus Brescia nach Berlin reisten, das Tempo deutlich verschärft.

“Zuvor mussten wir uns erst einmal warm laufen. Die ersten fünf

Kilometer waren wie ein Trainingslauf“, erklärte Paul Kirui

später. Lag der Kilometerschnitt anfangs bei über drei Minuten, was

langsam ist für ein derartiges Rennen, wurden die 1000-m-Abschnitte nun

plötzlich in deutlich unter drei Minuten gelaufen. Die Spitzengruppe fiel

auseinander, und Marathon-Europameister Janne Holmen, der anfangs geführt

hatte, sagte später: “Ganz plötzlich gab es eine enorme

Tempoverschärfung. Ich habe das ganze Rennen versucht, mein eigenes Tempo

zu laufen. Es war aber schwer am Ende, weil das Wetter so schlecht war. Ich

hatte auf eine bessere Zeit bei besserem Wetter gehofft.“ Finnlands

Marathon-EM-Sensation läuft in diesem Frühjahr keinen Marathon, plant

aber einen Start im Herbst.

Immer schneller schienen Kirui und Kwambai nach ihrer Tempoverschärfung

vorne zu werden, sogar die Jahresweltbestzeit von 60:21 Minuten wäre bei

gleichbleibendem Tempo gefallen. Nach 29:00 Minuten war Kilometer 10 erreicht,

nachdem bei der 5-km-Zwischenzeit noch verhältnismäßig

langsamere14:56 Minuten gestoppt worden waren. Doch nachdem Kirui seinen

Landsmann hinter sich gelassen hatte, der Kampf um den Sieg entschieden war und

er Kilometer 15 in verheißungsvollen 43:07 Minuten erreicht hatte, verlor

er auf den letzten sechs Kilometern an Fahrt.

“Ich musste mehr mit dem Wind kämpfen als mit den Gegnern. Ich

hatte auf gutes Wetter gehofft und wäre dann vielleicht 45 Sekunden

gelaufen“, sagte Paul Kirui. Gut möglich, dass der Wind eine

Jahresweltbestzeit verhinderte. Doch mit seiner persönlichen Bestzeit von

61:05 Minuten erreichte Paul Kirui immerhin die siebtschnellste Zeit des Jahres

und das sechstbeste je beim Berliner Halbmarathon gelaufene Ergebnis. “Es

ist der größte Erfolg meiner Karriere“, sagte Paul Kirui, der

erst seit wenigen Jahren läuft. “In der Schule habe ich

Fußball gespielt.“ Auf die Frage nach der Position antwortet er:

“Ich war die Nummer 11.“ Erst nach der Schule schloss er sich einer

Lauf-Trainingsgruppe an und kam so vor drei Jahren zu Gabriele Rosa.

War es für Paul Kirui der erste Start bei einem Berliner

Straßenlauf, kannte Magdaline Chemjor die Berliner Straßen bereits.

Sie hat in den letzten beiden Jahren jeweils die 25 km von Berlin gewonnen.

“Es ist schade, dass es so kalt und windig war, denn die Strecke ist

schnell. Bei gutem Wetter hätte ich hier zwischen 68 und 69 Minuten laufen

können“, sagte Magdaline Chemjor, die vor einer Woche Fünfte

bei der Cross-WM war. Die 24-Jährige hatte das Tempo von Beginn an

bestimmt. Unmittelbar hinter ihr lief in einer Männergruppe zunächst

noch die spätere zweitplatzierte Lenah Cheruiyot (Kenia/72:00). Nach 16:31

Minuten erreichte diese Gruppe Kilometer 5, doch bei Kilometer 10 war Chemjor

mit 32:56 Minuten bereits 29 Sekunden vor ihrer Konkurrentin.

Dass Magdaline Chemjor im Ziel humpelte, hing aber nicht mit einer

Verletzung der Muskulatur zusammen, die bei Kälte besonders anfällig

ist – vielmehr mit einem Fehler, vor dem Laufanfänger immer wieder

gewarnt werden: Magdaline Chemjor rannte in neuen Schuhen. “Die alten

waren einfach hinüber“, erklärte sie. Auf den letzten

Kilometern gab es auf ihrem Spann eine Druckstelle. “Doch der Schneefall

war der Grund, warum ich langsamer wurde“, sagte Magdaline Chemjor, die

übrigens nicht die einzige Topläuferin ist, die in Berlin mit neuen

Schuhen zu einem großen Sieg gelaufen ist. Auch Naoko Takahashi (Japan)

erklärte nach ihrem Sieg beim real,- BERLIN-MARATHON 2002, dass sie in

neuen Schuhen gelaufen sei. Dennoch sollten Breitensportler ein solches

Experiment nicht nachmachen. Magdaline Chemjor hat bereits ihren nächsten

Start in Berlin angekündigt: Am 4. Mai will sie zum dritten Mal in Folge

die 25 km von Berlin gewinnen.

Das Wetter hatte schon am Sonnabend für einen Rückschlag gesorgt.

Während die dreimalige Siegerin Joyce Chepchumba (Kenia) aufgrund einer

Erkältung absagte, waren auch Rodgers Rop und Christopher Cheboibok, die

zwei Kenianer, die ebenfalls zur Detmolder Trainingsgruppe von Volker Wagner

gehören, nicht nach Berlin gereist. Sie waren erst vor wenigen Tagen aus

Kenia kommend in Deutschland angekommen, wo sie die letzte Vorbereitung

für den Boston-Marathon bestreiten. Rop hatte im vergangenen Jahr in

Boston gewonnen. Als sie am Sonnabend in Detmold aufwachten, war alles

verschneit. Und angesichts der Wetterprognosen verzichteten beide auf einen

Berliner Start, um der Gefahr einer Erkältung kurz vor dem Boston-Marathon

aus dem Weg zu gehen. “Es ist schade, aber verständlich. Denn

für beide ist natürlich der Boston-Marathon das wichtigste Ereignis

des Frühjahres“, sagte Mark Milde, der beim Bewag BERLINER

HALBMARATHON für die Topathleten verantwortlich ist.

 

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