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Save the Date 28. September 2019

Newsarchiv

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Roadrunner, Elite, Achill. Kleine Geschichte der Laufschuhe

In Kooperation mit RUNNER’S WORLD erscheint hier jeden Monat ein Thema aus dem aktuellen Heft.


Früher war vielleicht vieles besser. Laufschuhe waren es ganz sicher

nicht. Die Geschichte des modernen Laufschuhs ist noch nicht sehr alt

und hängt in erster Linie mit dem Entstehen eines Massenmarktes

zusammen, der sich nach Beginn des ersten Laufbooms in den USA Mitte

der siebziger Jahre abzeichnete. Erst in den späten sechziger und

frühen siebziger Jahren kann daher von deutlichen Entwicklungssprüngen

die Rede sein. Wer seit 25 Jahren und mehr läuft, kann sich noch gut an

die ersten Modelle erinnern.

Natürlich gab es schon vorher Sportschuhe, die auch zum Laufen genutzt

wurden. Spezielle Schuhe für Langstreckenläufer waren in der Zeit vor

und nach dem Zweiten Weltkrieg oft Einzelanfertigungen. In den Anfängen

stammten Laufschuhe vor allem von deutschen Schuhmachermeistern, die

sich dem Sport verschrieben hatten.


Eugen Brütting und die Dassler-Brüder waren die Pioniere

Eugen Brütting und die Dassler-Brüder Adi und Horst sind hier zu

erwähnen. Nach gemeinsamem Beginn und späterem Streit gründete der eine

später das Unternehmen Adidas, der andere Puma. Beide blieben in der

fränkischen Kleinstadt Herzogenaurach. Weiter östlich, im fernen Japan,

war es Kihachiro Onitsuka, der bereits in den fünfziger und sechziger

Jahren Laufschuhe entwickelte. Seine Marke hieß zunächst Onitsuka

Tiger, später Asics Tiger und schließlich Asics. Onitsuka und die

Dassler-Brüder kannten sich übrigens sehr gut.

Impulse aus den USA gab es ebenfalls, aber sie kamen vergleichsweise

spät, erst in den siebziger und vor allem in den achtziger Jahren. An

erster Stelle steht hier natürlich Nike, hervorgegangen aus der Firma

Blue Ribbon Sports, die in den sechziger Jahren als US-Importeur von

Asics-Tiger-Schuhen begann. Die Nike-Gründer waren Lauftrainer Bill

Bowerman und sein ehemaliger Läufer-Schützling Phil Knight, ein

ehemaliger Mittelstreckler, dessen Abschlussarbeit am College sich mit

dem Thema beschäftigte, wie ein Sporartikelunternehmen die

Weltmarktführerschaft von Adidas und Puma ablösen könne. Die

Entwicklung des Laufschuhs war immer eng gekoppelt an die Fortschritte

in den Zuliefererindustrien. Durch moderne Ölverarbeitung und die

Chemieindustrie, die immer neue Plastik- und Schaumverbindungen

produzierte, wurde der Grundstein gelegt für moderne Laufschuhe mit

Kunststoff-Mittelsohle. Eine gedämpfte Mittelsohle, Kennzeichen und

Qualitätsmerkmal eines jeden Laufschuhs, wurde erstmals in den

sechziger Jahren eingesetzt. Eines der ersten Modelle mit einer

dämpfenden Schicht in der Zwischensohle war 1970 der Roadrunner von

Brütting. Der Schuhmacher Eugen Brütting ist Namensgeber dieser noch

heute existenten Schuhmarke, die übrigens das Modell Roadrunner nach

wie vor mit nur geringen Modifikationen zur Urform herstellt. Die

Leistenform ist gebogen, die Ferse ausgespart. Die Sprengung tendiert

gegen Null (Vor- und Rückfuß befinden sich auf einer Ebene, ohne

Absatz).


Obermaterial aus Wildleder, ein richtiger Fortschritt

Die Zehenbox war damals deutlich größer als bei bisherigen

Sportschuhen. Vor allem lief sie nicht spitz zu, sondern gab dem großen

Zeh mehr Raum, was etwas ganz Besonderes war. Das Obermaterial bestand

aus weichem Wildleder. Bis dahin wurde festes, mit der Zeit immer

härter werdendes Glattleder eingesetzt. Für die

Mittelsohlenkonstruktion wäre nach heutigen Maßstäben das Wort Dämpfung

sicherlich unangebracht, aber Eugen Brütting hatte derartiges schon im

Sinn. Ähnlich wie Adi Dassler, der als genialer Schuhmacher gilt und

dem unter anderem die Erfindung des Schraubstollens bei Fußballschuhen

zugeschrieben wird; eine Erfindung, die zur Erringung des

Weltmeisterschaftstitels 1954 in Bern wohl auch ihren Beitrag leistete.

Viel später erst widmete sich Dassler auch Schuhen für

Langstreckenläufer.

Der Franke erkannte, dass für den Abrollvorgang beim Laufen ein anderer

Schuh-Leisten nötig war als für Fußballer oder Feld-Handballer, die

noch in den sechziger Jahren verbreitetsten Breiten-Sportarten neben

dem Turnen. 1968, lange vor der ersten Jogging-Welle in Mitteleuropa,

stellte Adidas das Modell Achill vor, einen Meilenstein der frühen

Laufschuhentwicklung. Bis dahin waren Läufer meist in Modellen wie dem

Rom (1960) oder dem Gazelle gelaufen, normalen Sportschuhen. Der Achill

verfügte dagegen über eine vergleichsweise weiche, gedämpfte

Zwischensohle. Das Obermaterial bestand aus Gazellen-Leder, und er

besaß bereits eine Ghilly-Schnürung sowie eine Sägeprofil-Laufsohle.


1969 wurde beim Achill der Fersenkeil eingeführt, wodurch er eine

größere Sprengung bekam: zur Verringerung des Aufprallschocks war das

Material unter der Ferse dicker, die Ferse stand deutlich höher als der

Vorfuß. In puncto Dämpfung war der Achill ein bedeutender Fortschritt,

auch wenn die Konstruktion vielen Läufern Achillessehnen-Beschwerden

einbrachte. Bereits 1968 kamen auch die Modelle Formel 1 und TRX, beide

mit einer spoilerartigen Sohlenkonstruktion: Die Außensohle war

exponiert wie ein Spoiler und reichte hinten bis über die Ferse hinaus.

Bereits in größeren Stückzahlen wurden in den siebziger Jahren Modelle

wie SL72, SL74 oder SL76 (das Jahr anzeigend, in dem sie auf den Markt

kamen) gefertigt. Die Adidas-Modelle hatten damals den

durchschlagendsten Markenerfolg.

Urs Weber


Mehr zu diesem Thema sowie Schuhmodelle aus dem „Laufmuseum“ lesen Sie in der September-Ausgabe von RUNNER’S WORLD.

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