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19. Olympus-Marathon Hamburg: Favoritensterben in Hamburg

Die Weltklasseleistung des Spaniers Julio Rey führte den Olympus Marathon

Hamburg im Vorjahr in die Champions League, die Ernüchterung folgte bei

der 19. Auflage des zweitgrößten deutschen Marathonspektakels

nunmehr auf dem Fuße: Trotz nahezu idealen Marathonbedingungen machte

sich im Ziel nahe der Messe nach hoffnungsvollem Auftritt auf der schnellen

Sightseeingtour zwischen Reeperbahn, den Landungsbrücken, der

Außenalster, City Nord und Eppendorf merkliche Ernüchterung breit,

denn die Trümpfe des Veranstalters stachen nicht. Zwar durften 18 000

Marathonläufer erneut ein prächtiges Marathonspektakel erleben, die

sieggewohnten Kenianer rieben sich mit schneller Fahrt gegenseitig auf, sodass

der taktisch geschickt agierende Brasilianer Vanderlei Lima mit 2:09:39 Stunden

als Einziger unter der 2:10er Marke blieb und letztlich lachender Sieger wurde,

die Kenianerin Emily Kimuria das Duell gegen ihre Landsfrau Alice Chelangat in

gemessen an Hamburger Ansprüchen bescheidenen 2:28:57 Stunden gewann.

Während dessen konnten die beiden Deutschen Luminita Zaituc und Claudia

Dreher keine Olympiaempfehlung abgeben und mussten nach vorzeitigem Ausstieg

Tränen der Enttäuschung verdrücken.

“Für mich ist das Ergebnis eine Riesenenttäuschung“,

gestand Bundestrainer Wolfgang Heinig im Zieleinlauf. “Ich bin nach

Hamburg gekommen, um eigentlich das Auftreten zweier Olympiakandidaten zu

erleben. Während Luminita die Olympianorm bereits in Frankfurt und Ulrike

Maisch als WM-Zwanzigste die Nominierungskriterien erfüllt hat,

dürfte Claudia Dreher ihre Olympiachance nun in Hamburg verspielt

haben!“ Zu allem Überfluss musste Mario Kröckert sein

Marathondebüt wegen schlechter Blutwerte kurzfristig absagen, zuvor

bereits Melanie Kraus wegen eines Ermüdungsbruches. Bundestrainer Heinig

dachte derweil schon über einen zukunftsweisenden Vorschlag nach, den er

über den DLV dem Nationalen Olympischen Komitee gerne vorlegen

möchte: Mit der Nominierung der erst 23jährigen Romy

Spitzmüller, die bei ihrem Sieg in Bonn mit in 2:32:33 immerhin die

internationale Olympianorm von 2:37:00 unterboten hatte, könnte eine junge

Läuferin schon in Richtung Peking 2008 aufgebaut werden.

Hamburg scheint für die derzeit beste deutsche Marathonläuferin

Luminita Zaituc kein gutes Pflaster zu sein. Wie im Vorjahr musste die

Braunschweigerin vorzeitig aufgeben, heuer war es die rückseitige

Oberschenkelmuskulatur, die ihre Dienste verweigerte. “Ich habe schon

beim Gefällestück nach 10 km Schmerzen gespürt. Von Kilometer zu

Kilometer wurden diese stärker. Nach 20, 21 km habe ich aber gedacht, wenn

du jetzt noch weiter läufst, riskierst du eventuell sogar den

Olympiastart. Wenn so etwas nach 35 km passiert, dann ist dies etwas

anderes!“ Claudia Dreher, bis zum Ausstieg der Vize-Europameisterin Seite

an Seite mit dieser gelaufen, war plötzlich alleine auf weiter Flur, weil

neben Zaituc auch deren Begleiter die Strecke räumten. Nach einer Gehhause

bei Kilometer 30 war allerdings die Moral zum Durchlaufen ebenso dahin. An der

Spitze konnte vom Start weg der Keniaexpress mit der BERLIN-MARATHONzweiten

2003 Emily Kimuria. Alice Chelanga und Caroline Cheptonui (mit zunächst

der Äthiopierin Leila Aman im Schlepp) dank eines auf eine Endzeit von

2:22 Stunden angelegten Tempos ungestört seine Kreise ziehen. Im

spannenden Schlussduell lag Emily eine Sekunde vor Alice, die sich vor ihrem

Start in Hamburg sogar noch Olympiachancen ausrechnen durfte. Auch für die

mutig laufende Norwegerin Stine Larsen dürfte nach Rang vier und 2:32:53

der Olympiazug abgefahren sein.

“Mit dieser Zeit bin ich zur Zeit bester Brasilianer und werde in

Athen starten können“ freute sich hingegen Vanderlei Lima, der sich

aus der eher einer Verfolgungsjagd ähnlichen Renngestaltung der

“Fila“- und “Asics“-Teams heraushielt und als lachender

Sieger letztlich nicht nur um 27.500.- Euro reicher die Heimreise nach

Brasilien antreten wird. “Die Leute von Dottore Rosa haben das Rennen

kaputt gemacht“ urteilte der deutsche Manager Walter Abmayr, “das

hohe Tempo für eine Halbmarathonzeit von 1:04:00 hat wohl keiner der

zwanzig, dreißig Athleten an der Spitze drauf gehabt!“ Der mit

Vorschußlorbeeren gestartete 2:06er Läufer Fred Kiprop spielte

praktisch ebenso keine Rolle wie der noch im Oktober in Frankfurt aufgefallene

Leonid Shvetsow oder der Äthiopier Simeretu Alemayehu. Dafür

drückten die sogenannten Hasen wie Wilfred Kigen oder James Kwambai nach

Absolvierung ihres Auftrags derart auf die Tube, dass ein ungestüm

vorwärts stürmender Kwambai erst nach 27 km von dem späteren

Sieger Lima eingeholt werden konnte.

Vor und hinter den Kulissen wird in Hamburg allerdings um die künftige

Ausrichtung des Olympus Marathon diskutiert. Während Veranstaltungsleiter

Wolfram Götz einen größeren Anteil aus dem Gesamtetat für

die Gestaltung des Spitzenfeldes fordert, um auf Dauer einen Rang unter den Top

Ten weltweit zu sichern, möchten Kritiker eher eine Ausrichtung als

Breitensportevents. Zur Finanzierung des derzeit 2,25 Millionen Euro teuren

Laufspektakels möchte Götz allerdings neben den Sponsoren vor allem

die Stadtväter und aber auch die Gesamtheit aller Marathonstarter zur

Kasse bitten. Hamburgs Leichtathletik-Präsident Erwin Rixen, von Amts

wegen Chef des Hamburg-Marathons, sieht jedenfalls keine Alternative zur

bisherigen Linie: “Eine leistungsorientierte Spitze sind wir unseren

Sponsoren schuldig. Hamburg als zweitgrößte Stadt Deutschlands darf

sich nicht mit nur einem Breitensportereignis abgegeben. Schließlich

stehen wir auch in Konkurrenz zu anderen Sportarten!“

Wilfried Raatz

Ergebnisse unter www.mikatiming.de

 

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