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Newsarchiv

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4. Berliner Bundestagslauf am 5. Mai 2004

Nach dem Rennen stehen erregte Vertreter jeder Fraktion regungslos und mit

unruhigem Blick hinter der Ziellinie. Nicht nur der Zielbogen ist an diesem

Mittwoch im Berliner Tiergarten aufgeblasen. Noch einmal tief Luft holen, den

wichtigen Blick und ein Lächeln für den Bildschirm aufgesetzt, so

präsentieren sich Abgeordnete, die an diesem warmen Nachmittag eine 3.600

oder 7.200 Meter lange Strecke zu Fuß und ohne Hilfe ihrer ansonsten

allgegenwärtigen Referenten bewältigt haben.

Neben einigen Hinterbänklern, die nur selten ins Scheinwerferlicht der

Kameras gerufen werden, sind vor allem Abgeordnete der Partei hier vertreten,

die erster vor kurzer Zeit ihre drei Punkte im Namensschild verloren hat. Und

deren Referenten präsentieren auch bereits kurz nach Zielschluss die

großen - heute sportlichen - Erfolge ihrer Arbeitgeber im Internet.

Jedenfalls laufen an diesem Mittwoch Menschen durch den Tiergarten, die in

ihrer Mehrheit genauso gerne an einem Zigarren-Wettrauchen teilnimmt, wenn sie

nur hinterher von einem Journalisten nach ihrem Befinden gefragt werden und am

nächsten Tag ihr Foto in irgendeiner Zeitung finden.

Bereits zum vierten Mal veranstaltete die Sportgemeinschaft Deutscher

Bundestag in diesem Jahr ihren Bundestagslauf im Berliner Tiergarten. Insgesamt

400 Teilnehmer gehen auf den beiden Strecken an den Start. Ein

mittelgroßes sportliches Ereignis für Bundesbedienstete, Mitarbeiter

von Botschaften, Abgeordnete und alle die vielen anderen Berufsgruppen, die vor

fünf Jahren im Zuge des Hauptstadtumzuges ihren Wohnsitz in Berlin

genommen haben. Hier bleiben also nicht nur Politiker auf der Strecke. Auch

Beamte geraten an diesem Tag ins Schwitzen und Lobbyisten müssen ihre

Geschäfte im Laufschritt und ohne das obligatorische Sektglas in der Hand

verrichten.

In Bonn hieß die beschauliche Vorgänger-Veranstaltung noch

"Bannmeilenlauf". Das Medieninteresse war ungleich geringer und es

gab Politiker, so wird heute noch erzählt, die nur aus Freude am Sport

dabei waren. In Berlin ist jetzt natürlich alles größer und

perfekter, die Zeiten werden mit einem Chip gemessen, wie bei richtigen Rennen,

und die Mitglieder der verschiedenen Fraktionen, auch das ist neu, kleiden sich

in farbenfrohen Hemdchen, die in großen Buchstaben der

Öffentlichkeit die politische Heimat der Sportler zeigen. Neu in Berlin

und ein schönes Beispiel für die zunehmende Individualisierung der

Gesellschaft und den Abbau des Sozialen ist die Einführung der

Einzelwertung. Es war eine schöne Errungenschaft der sozialeren Bonner

Republik, nur die schnellsten Mannschaften zu ehren und eben nicht die

schnellsten Einzelsportler.

Deshalb und weil die Veranstaltung wie gesagt nur von geringem sportlichen

Wert ist, soll an dieser Stelle ausnahmsweise eine Nennung der schnellsten

Läuferinnen und Läufer verzichtet werden.

Frank Bielefeld

P.S. der Internet-Redaktion: Egal, ob jetzt in Berlin mit Einzel–

und/oder Mannschaftswertung – wie auch immer, wir sind froh, dass der

Bundestag – und der Anhang – überhaupt rennt, das ist schon

eine Anerkennung wert.

 

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