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Save the Date 28. September 2019

Newsarchiv

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Mocki erneut vor Miki – Dietz gewinnt nach 10 000 m-Titel auch den über 5000 m

Wie erwartet: Männer über 5000 m und im Hindernislauf

deutlich hinter dem internationalen Standard

„Fili“ Ghirmai Erster im Bummelrennen

Führen musste einmal mehr mit dem „Nordlicht“ Steffen Uliczka

von der SG/ TSV Kronshagen ein junger Mann, der sich auf nationalem Terrain

erst einmal Sporen verdienen möchte – letztlich setzten sich aber

mit Filmon Ghirmai und Christian Knoblich die Etablierten durch, die Meister

nämlich der Jahre 2002 bzw. 2003. Verloren hat nicht nur der als

„Mann der Zukunft“ gehandelte talentierte Raphael Schäfer, der

das Tempo resolut nach der Zweidrittel-Distanz an der Spitze hoch gezogen

hatte, aber am Ende nicht die Kraft und das Stehvermögen hatte, um seinen

Coup zu einem glücklichen Ende zu führen.

Verloren hat aber auch die 3000 m-Hindernis-Wettbewerb, der nach den

überragenden Leistungen der Karst, Baumgartl, Ilg, Melzer und Kallabis

seine „Medaillentauglichkeit“ als einer der überragenden

Disziplinen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes verloren hat und im

internationalen Vergleich aktuell keine Rolle mehr spielt.

Mit 8:38,91 lief mit Filmon Ghirmai der Schützling von Isabelle Baumann

zwar als Erster durchs Ziel, Ansprüche auf mehr darf der 25jährige

Neu-Tübinger nach einer reichlich daneben gegangenen Saison nicht mehr

hegen. Vergeblich war der im Augenblick mit dem größten Potenzial

ausgestattete Läufer mit seinen Wurzeln im Läuferland Äthiopien

der Olympianorm von 8:21,00 Minuten hinterher gelaufen. Zuletzt auch bei der

Atletissima in Lausanne. „Ich bin platt nach den vielen Rennen“,

gestand „Fili“ dann auch im Ziel. „Mit dem Titel habe ich

eigentlich aus diesem Grunde nicht mehr, aber wenn die anderen die Chancen

nicht nutzen....!“ Glückliches Ende einer doch bislang eher

bescheiden verlaufenen Saison.

Aber auch der beim Europacup eingesetzte Stephan Hohl konnte die Gelegenheit

zum Titelgewinn nicht ummünzen, der 24jährige Badener landete doch

deutlich abgeschlagen auf Rang sechs. Fast wäre Christian Knoblich ein

ähnlicher Coup gelungen wie im Vorjahr in Ulm. Doch diesmal erwies sich

Filmon Ghirmai als spurtstärker, letztlich auch weil der Fürther in

der Schlussrunde einen zu großen Rückstand auf Schäfer und

Ghirmai hatte, um seine bekannt-gefürchtete Spurtstärke erfolgreich

ausspielen zu können. Auch der lange als verletzt gemeldete Ralf Assmus

hatte in dem erst auf dem Schlusskilometer schnellen Rennen keine Chance, in

den Kampf um den Titel einzugreifen.

Das Positive zuletzt: Mit Filmon Ghirmai (25), Raphael Schäfer (23),

Steffen Preuk (22), Stephan Hohl (24), Norbert Löwa (20) und Steffen

Uliczka (20) liefen gleich sechs junge Läufer unter die besten acht

– für Hindernis-Bundestrainer Dieter Hermann eigentlich eine

glückliche Konstellation, in Kürze doch wieder auf der einstigen

deutschen Paradedisziplin wieder eine maßgebliche Rolle spielen zu

können. Zumal mit dem U 20-Europameister Ruben Schwarz noch ein weiteres

Talent in der Warteschleife steht....

10 000 m-Meister Oliver Dietz auch über 5000 m

vorne

Es bleibt eine wohl bekannte Tatsache: Nur der Sieger hat recht! Und dieser

heißt Oliver Dietz. Der 27jährige aus dem fränkischen Gerbrunn

im Trikot der LG Braunschweig nutzte vor „heimischer“ Kulisse die

Chance und holte sich nach dem 10 000 m-Titel in Borna auch den Titel auf der

5000 m-Strecke – und ist der direkte Nachfolger von Dieter Baumann, der

im Vorjahr seinen Abschied mit dem „Double“ in Ulm (5000 m) und

München (10 000 m) gab. In die Fußstapfen des früheren

Olympiasiegers kann und wird der dunkelhäutige Läufer aus dem

Fränkischen keinesfalls treten können, dazu fehlt ihm zweifellos das

große Talent, das den „Schwabenpfeil“ einstmals in die

Weltspitze katapultierte. „Ich möchte am Saisonende auf drei

Strecken in Deutschland vorne stehen“, umreißt Oliver Dietz

völlig andere Ziele als einstmals ein Dieter Baumann. „Dazu brauche

ich auf der 5000 m-Strecke nur noch ein schnelles Rennen. Über 10 000 m

und im Halbmarathon bin ich bereits vorne, da dürfte auch niemand mehr

schneller laufen können!“

Titel sammelt Oliver Dietz wie weiland Dieter Baumann, allerdings auf einem

klassentieferen Niveau. 13:53,06 Minuten reichen hierzulande zum Sieg, im Jyahr

eins nach Dieter Baumann. Allerdings scheint der Braunschweiger das richtige

Händchen für Rennentscheidungen zu haben. Nach einer 2000

m-Zwischenzeit von 5:49,05 sprengte Michael May das im Bummeltempo

dahintrabende Feld, mit kleiner Verzögerung stellten Alexander Lubina,

Oliver Dietz, der Jahresbeste Thorsten Gombert und Wolfram Müller, der

zuletzt nicht nur als Europacup-Sieger über 3000 m, sondern auch mit der

Unterbietung der 1500 m-Olympianorm mit 3:36,17 nach längerer

Verletzungspause für Aufsehen sorgte, dem Ausreißer

hinterher.

Während in der Schlussrunde Michael May die Kräfte

verließen, schien Oliver Dietz wie schon zuvor in Borna Flügel zu

bekommen. Die Konkurrenten um Wolfram Müller hatten inzwischen schon einen

merklichen Rückstand, der sich als zu groß erwies, um im Titelkampf

noch eine Chance zu haben. „Wer gewinnen will, der muss schon mehr

tun“, rückte Oliver Dietz seine Leistung dann auch zu Recht gerade.

„Für mich lief das Rennen optimal!“

Dagegen ist von einem Klasseläufer wie dies Wolfram Müller

zweifellos ist in punkto Taktik mehr zu erwarten, wenn er in einem

Meisterschaftsrennen, wenngleich auf einer ungewohnten Distanz, am Start ist.

„Es war einfach nicht mein Tag“, kommentierte ein sichtlich

angeschlagener Wolfram Müller seine Leistung, die mit letzter

Kraftanstrengung doch noch zu Rang zwei vor Thorsten Gombert und Alexander

Lubina reichte. „Ich hoffe nur, dass es morgen besser läuft!“

blickt der Neu-Tübinger allerdings schon weiter in Richtung 1500 m-Finale,

das am zweiten Meisterschaftstag anstehen soll.

Wiederum glücklicheres Ende für Sabrina

Mockenhaupt

Die Kleine war einmal mehr die Größte. Eine Ehrenrunde mit vielen

Stopps für Autogramme und Fernsehinterviews unterstreicht den Rummel um

eine Sympathieträgerin, die in der aktuellen Situation beim DLV absolute

Mangelware ist. Sabrina Mockenhaupt schwimmt national auf der Welle des

Erfolgs, international möchte sie dort noch Boden gewinnen. Die Titel

über 3000 m in der Halle, 10 000 m in Borna und nun 5000 m in Braunschweig

sind Beleg für die gewachsene Stärke – nicht mehr und nicht

weniger. Dass international ein anderer Wind weht, das hat das kleine

Energiebündel mit fast ausschließlich Negativerlebnissen mit

großer Deutlichkeit verspüren müssen. Zweimaliger Ausstieg bei

der European 10 000 m-Challenge, Rang zwölf bei den 10 000

m-Europameisterschaften in München, Aufgabe bei den

Weltmeisterschaften...

Der Weg zur internationalen Klasse ist angesichts dieser Misserfolge hart

und steinig. Doch in dieser Saison ist scheinbar alles anders. Mit einer

Weltklassezeit von 31:23 im Rücken, die sie im direkten Umfeld des

US-Trainingscamps in Walnut gelaufen war, geht Sabrina Mockenhaupt im

Olympiajahr gestärkt in die Rennen. Siehe oben. Weil sie letztlich auch

Rennen gewinnen kann, die praktisch schon verloren zu sein scheinen. So in

Borna, so aber auch in Braunschweig.

„Schuld“ daran ist in weitem Maße Irina Mikitenko, die

bislang für die Vorzeige-Platzierungen bei internationalen Highlights

verantwortlich zeichnete. Wie in Borna spielte sie auch in Braunschweig die

„Lokomotive“, immer auf der Spur zu einer schnellen Endzeit.

„Ich kann doch nicht bei einer Meisterschaft mit 16:00 Minuten zum Sieg

laufen wollen“, unterstrich sie ihre Einstellung zum Wettkampf. Wie

selbstverständlich hielt sie das Tempo hoch, selbst als nach fünf

Runden das „Wechselspiel“ mit Sabrina Mockenhaupt an der Spitze

vorbei war („Mir war es einfach zu schnell. Ich konnte nicht

mehr...!“). Runde für Runde führte „Miki“, nur

einen Schritt dahinter „Mocki“. Nach 9:26,21 für 3000 m

drückte die Frankfurterin, die nach Borna mit erheblichem Eisenmangel zu

kämpfen hatte und vor dem Grand-Prix-Rennen in Rom keinen Wettkampf mehr

bestritten hatte, verstärkt auf das Tempo. Der nächste km-Abschnitt

wurde exakt in drei Minuten (12:26,94) zurückgelegt. An der Spitze nach

wie vor Irina Mikitenko, im Windschatten Sabrina Mockenhaupt. Und es wurde noch

schneller.

Wann fällt die Entscheidung? In der Schlussrunde – oder

vielleicht erst auf der Zielgeraden?

In der Tat, eingangs der Zielgeraden, rückte „Mocki“ aus

dem Windschatten heraus, schaltete den Turbo an und attackierte die bislang

unverdrossen führende „Miki“. Zwanzig Meter vor dem Ziel war

es dann soweit, der Wiederstand war gebrochen: Sabrina Mockenhaupt holte sich

wie im Vorjahr den 5000 m-Titel. Das Ergebnis vorzeigewürdig: Nach einem

noch deutlich schnelleren Schlusskilometer in 2:54 hieß die Siegerzeit

15:20,84, Irina zwei Sekunden dahinter.

„Ich habe mir mehr Unterstützung von Sabrina gewünscht.

Unterwegs habe ich sie immer wieder aufgefordert, auch einmal zu führen.

Das finde ich schade, auch wenn es ein Meisterschaftsrennen ist!“ klagte

Irina Mikitenko über die zu defensive Haltung ihrer Konkurrentin, mit der

sie auch nach dem gemeinsamen Höhen-Trainingslager in Flagstaff

verstärkt Programme trainiert. „Durch das Ankämpfen gegen den

starken Wind hat mir am Schluß die Kraft gefehlt!“ Die

Verärgerung kann Sabrina Mockenhaupt nachfühlen. „Mir tut es um

Irina leid, aber ich konnte unterwegs nicht schneller!“

Der Zwist wird jedoch bald schon vergessen sein, wenn beide Anfang der

kommenden Woche zum gemeinsamen Trainingslager nach St. Moritz aufbrechen.

Schließlich wollen beide in bester Verfassung nach Athen...

Für den „Rest“ des Feldes ging es allenfalls um Bronze. Und

diese Medaille holte sich Ulrike Maisch, die sich derzeit schon für den

olympischen Marathonlauf vorbereitet. Zu langsam für das Spitzenduo

Mikitenko/ Mockenhaupt, zu schnell für die weiteren Teilnehmerinnen, so

lief die Rostockerin ihr Rennen – in beachtlichen 15:58,17 Minuten. Mit

der verbesserten Grundschnelligkeit lässt sich auch auf ein wiederum gutes

Abschneiden auf internationalem Terrain hoffen. Dieses Geschick jedenfalls hat

Ulrike Maisch bislang schon zweimal mit Bravour bewiesen, bei der EM in

München und bei der WM in Paris.

Wilfried Raatz

 

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