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Save the Date 28. September 2019

Newsarchiv

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Deutsche Frauen-Marathon-Bilanz

Mit Luminita Zaituc, Sonja Oberem und Co. auf EM-Medaillenkurs in

München

Unsere deutschen Läuferinnen haben 2001 positive Akzente

gesetzt!“ sagt Bundestrainer Wolfgang Heinig mit Blick auf sein

angestammtes Terrain, aber auch mit etwas Wehmut auf die anderen Laufbereiche,

für die er kraft seines Amtes Verantwortung trägt. Und meint das

(partielle) Auftreten der deutschen Läuferinnen in Hamburg, Berlin,

Frankfurt, Lissabon und Athen. „Natürlich habe ich in Kanada neben

einer guten Einzelpatzierung auch auf ein Mannschaftsresultat gehofft“

gesteht der Bundestrainer allerdings ein, das aber Sonja Oberem und Melanie

Kraus nach der kurzfristigen Absage von Luminita Zaituc und dem vorzeitigen

Ausstieg von Kathrin Weßel nicht mehr alleine richten konnten. „Ich

denke, es ist für uns im Laufbereich besonders wichtig, wenn eine Deutsche

einen Marathon gewinnt, auch wenn es nicht immer in einer Weltklassezeit

ist!“

Für das positive Auftreten unserer Marathonläuferinnen wusste

zunächst einmal Sonja Oberem zu sorgen. „Das war ihr bestes

Jahr!“ bilanziert Trainer Paul-Heinz Wellmann mit berechtigtem Stolz,

„sie hat ihr bestes Resultat bei internationalen Meisterschaften erzielt

und mit Hamburg und Athen zwei Marathonläufe in einem Jahr

gewonnen!“ Hat das Erfolgsduo Oberem-Wellmann bislang eher auf

Platzierungen bei hochkarätigen Läufen gesetzt, verfolgten sie in der

zurückliegenden Saison eine etwas andere Strategie. „Mit dem Sieg in

Hamburg gelang Sonja ein Erfolg im eigenen Land, noch dazu in einer erstaunlich

guten Zeit. Diese wäre sogar noch besser ausgefallen, wenn die Konkurrenz

leistungsstärker gewesen wäre. Der Sieg in Athen muss man unter den

Kapitel Stärkung des Selbstbewusstseins und der Haushaltskasse

einordnen!“ Doch in der positiven Bilanz möchte der Bayer-Coach

nicht verharren, sondern sieht wichtige Hausaufgaben für das EM-Jahr 2002.

„Auch wenn Sonja vom ersten Meter an in Edmonton das Rennen mitgestalten

konnte, es fehlte ihr doch im Schlussteil die nötige Kraft für eine

Medaille. An diesen drei bis fünf Prozent Defizit müssen wir

arbeiten. Das ist eben noch der kleine Unterschied zu Lidia Simon und den

anderen!“ Gestärkt soll Sonja Oberem dann in München um die

EM-Medaillen laufen. „Das Feld ist dann zwar etwas überschaubarer,

aber man muss eben mit allem rechnen!“ Und setzt dabei auf die mentale

Stärke der früheren Triathletin, die es stets zur rechten Zeit

versteht, ihr Leistungspotenzial abzurufen. So als WM-Sechste in Sevilla oder

nun als WM-Fünfte in Edmonton.

Oder aber Luminita Zaituc, die nach einem eher zögerlichen Auftritt in

Hamburg mit ihrem Sieg in Frankfurt nun weiss, wo es künftig für sie

langgehen wird – nämlich auf der Marathondistanz. Darin ist sich

Bundestrainer Heinig sicher und stellt bereits gewisse Erwartungen an den neuen

Hoffnungsträger: „Sie muss keine fünf deutsche Meistertitel

gewinnen, sondern bei den Europameisterschaften auf das Podest!“ Die

gebürtige Rumänin, seit 1993 in Hamm angesiedelt, verstand es bislang

meisterhaft, in eher passiver Manier ihre Chancen zu optimieren – in der

Mainmetropole sah man den Schützling von Dumitru Dobre von einer neuen

Seite, offensiv und risikobereit. „Mein Konzept war, so lange auf Tempo

zu laufen, wie es mir gut geht!“ Und es ging gut, sehr gut sogar.

Schließlich holte sie zum großen Zahltag aus, wurde Gesamtsiegerin

und deutsche Meisterin und drückte den Streckenrekord von Katrin

Dörre-Heinig auf 2:26:01. Und das Gefühl, alles richtig gemacht zu

haben. „Irgendwann musste diese Entscheidung kommen. Schließlich

laufe ich schon seit 1983. Ich habe mir aber gesagt, wenn du es mit

Zweiunddreißig nicht versuchst, dann wird es nichts mehr!“ Gesagt,

getan.

Und damit reifen auch Medaillenträume. Im Einzeln als auch in der

Mannschaft, wo neben der bereits gesetzten Sonja Oberen mit Luminita Zaituc,

Kathrin Weßel, Claudia Dreher und Melanie Kraus gleich fünf

Läuferinnen mit internationaler Klasse den Griff nach der Medaille planen

dürfen. „Mit einer derartigen Mannschaft lässt sich ein klasse

Ergebnis einbringen!“ sagt Paul-Heinz Wellmann und setzt auch auf seine

zweite EM-Kandidatin, Melanie Kraus nämlich. „Eigentlich tut sie mir

Leid, denn ihre beiden Saisonergebnisse werden eher negativ bewertet. Für

Melanie war dieses Jahr sehr wichtig, auch wenn sie in den Events nicht ihre

konstant guten Trainingsleistungen umsetzen konnte. Nach dem Einstieg im

Vorjahr in Berlin war es einfach sehr schwer, diese Leistung zu wiederholen

bzw. sogar noch eine bessere zu erreichen!“ nahm Paul-Heinz Wellmann sein

zweites Marathon-Ass in Schutz.

Marathon-Bundestrainer Heinig ist in diesem Wettbewerb in einer an sich

beneidenswerten Situation. Neben Luminita Zaituc und Sonja Oberem hat auch die

im Schatten der Weltbestzeit laufenden Naoko Takahashi mit 2:29:42 Hausrekord

laufenden Kathrin Weßel drei Läuferinnen unter der verschärften

EM-Norm, mit Melanie Kraus und der erst vor wenigen Tagen in Lissabon mit

2:31:01 siegreichen Claudia Dreher zwei weitere auf dem Sprungbrett. Hinzu

kommt freilich Halbmarathonmeisterin Petra Wassiluk, die nach den beiden

verunglückten Marathon-Versuchen in Hamburg und Frankfurt einen weiteren

Anlauf braucht, um die Marathondistanz in Griff zu bekommen. „Damit

können wir bis 2004 alle Höhepunkte gut besetzen“, blickt

Heinig bereits voraus. „Mit einem Nachwuchsprogramm gilt es

zunächst, die 5000 m und 10 000 m zu entwickeln. Für den

Marathonbereich müssen wir einen langfristigen Weg gehen!“ Seine

Hoffnungen ruhen allerdings auf einen alsbaldigen Wechsel von Irina Mikitenko

zur Straße. „Sie muss allerdings selbst erkennen, wo ihr

künftiges Potenzial liegt. Auf den Bahndistanzen macht die Entwicklung

nicht halt, deshalb ist es schwierig, das vorhandene Niveau noch zu toppen.

Über Marathon wird sie einen Einstieg wie Luminita und noch besser haben

können!“

Wilfried Raatz

(aus LA 51-52/01)

 

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