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Save the Date 28. September 2019

Newsarchiv

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Fernanda Ribeiro gewinnt 10 000 m-Challenge in Athen

Für den „sportlichen Teil“ des 18. EAA-Kongresses in Athen

sorgten die Langstreckenläufer, soweit diese sich an der Wiege der

Olympischen Spiele im Vorfeld der Weltmeisterschaften schon einmal messen

wollten. Und in der Tat, die siebte Auflage der European 10 000 m-Challenge,

dürfte weniger durch außergewöhnliche Leistungen als durch die

Präsenz eines illustren Publikums in die Analen dieses durchaus

populären Kräftemessens am Anfang einer jeden Sommersaison eingehen.

Der per Akklamation wenige Stunden zuvor von den Delegierten

wiedergewählte EAA-Präsident Hansjörg Wirz durfte dann auch als

erste Amtshandlung die souverän autrumpfenden Fernanda Ribeiro und Ismail

Sghyr zum „Titel“ gratulieren. Im großzügig angelegten

Olympia-Trainingszentrum, das für die European 10 000 m-Challenge

allerdings mit seinen Außenanlagen erst einmal notdürftig

fertiggestellt wurde, unterstrichen die portugiesische Olympiasiegerin von

Atlanta und der aus Marokko stammende Franzose mit 31:13,42 bzw. 27:45,14 ihre

gute Frühjahrsform, verdeutlichten aber auch, dass die hier angetretenen

europäischen Langstrecklenläufer nur bedingt Weltklasseformat

besitzen. „Mit dem Franzosen, Fernanda und mir haben doch nur drei die

WM-Normen unterbieten können“, rückt Irina Mikitenko den

Stellenwert der European 10 000 m-Challenge angesichts der ausgedünnten

Leistungsspitze ins rechte Licht. Bleibt zumindest aber die Erkenntnis, dass

dieser 10 000 m-Wettbewerb für viele Leistungsträger der

„zweiten Reihe“ eine wichtige Wettkampfgelegenheit ist, weil sie

aber auch in den großen 10 000 m-Rennen angesichts der Dominanz der

afrikanischen Läufer auf verlorenem Posten hoffnungslos hinterher laufen

werden und kaum eine Chance haben, ihr Leistungspotentialo weiter zu

entwickeln.

Für die Frankfurterin, die erst in der Hallensaison nach langer

Verletzungsfolge wieder in das Wettkampfgeschehen eingreifen konnte, erwies

sich die Challenge in Athen als eine erste Standortbestimmung im WM-Jahr.

Zurückkehren wird die 31jährige in die heimischen Trainingsgefilden

allerdings mit der Erkenntnis, dass ihr zweiter Platz in 31:37,15 Minuten nicht

mehr als eine gelungene Rückkehr in die internationale Güteklasse

sein kann. Ansprüche lassen sich damit freilich (noch) keine ableiten.

„Schade, dass ich immer alleine laufen muss“, beklagte sich Irina

Mikitenko, die praktisch vom ersten Meter an mit Abstand hinter der wie von

Furien gehetzt losstürmenden Fernanda Ribeiro hinterher laufen

mußte. Mit einer 68er Startrunde hatte die 34jährige Portugiesin im

Schlepp der kenianischen Tempomacherin Rita Jeptoo und der ihre afrikanische

Herkunft nicht verleugnenden Französin Margaret Maury für den

nötigen Druck gesorgt. Eine Zweiergruppe mit Irina Mikitenko und Ana Dias

hatte sich sofort gebildet, die schon nach 1000 m mit 3:04 Minuten drei

Sekunden Rückstand aufwies. „Die Portugiesin hat keinen Meter Tempo

gemacht und sich immer hinter mir aufgehalten“, beklagt Irina Mikitenko

die Passivität der Portugiesin. An der Spitze schüttelte Ribeiro

schon nach 3 600 m die Kenianierin und die wenig später aussteigende

Französin ab und hatte bei der Streckenhälfte mit 15:28 Minuten schon

elf Sekunden Vorsprung vor dem Duo Mikitenko/ Dias. Zwar konnte Irina vier

Runden später ihre hartnäckige Verfolgerin abzuschütteln, doch

mit zunehmender Dauer wurde aber auch der Rückstand zu der unbeirrt ihre

Runden drehenden Fernanda Ribeiro größer. „Auf der weichen

Bahn haben sich natürlich auf den letzten 3000 m die Kraftdefizite im

Oberschenkel bemerkbar gemacht. Ich denke, mit einem Partner kann ich auch

unter 31:30 laufen“ blickt sie dennoch hoffnungsvoll in die Zukunft. Ob

diese allerdings auf der 10 000 m-Strecke liegen wird, das läßt sich

allerdings derzeit offen. Schließlich ist eine Fernanda Ribeiro, die zwar

mit ihrer Siegerzeit von 31:13, 42 weit über ihrem Landesrekord von

30:22,88 blieb, immer noch eher ein (europäische) Maß der Dinge.

Aufregung gab es vornehmlich nach dem Rennen, als bei den obligatorischen

Dopingkontrollen plötzlich die Paßvorlage verlangt wurde. „Das

ist mir bislang überhaupt noch nicht passiert, es hatte stets die

Akkreditierung ausgereicht“ wunderte sich Irina Mikitenko über den

Übereifer der griechischen Dopingärzte. Das lang anhaltende Hickhack

löste erst die EAA-Delegierte Anna Riccardi mit einer eidesstattlichen

Versicherung auf. Das Prozedere selbst gestaltete sich nicht minder langwierig,

so dass Irina Mikitenko fast noch das abschließende Bankett verpaßt

hätte.

Turbulent gestaltete sich auch der weitere Rennverlauf hinter Fernanda und

Irina. Die Portugiesin Ana Dias erreichte mit 31:48 letztlich doch mit

deutlichem Abstand als Dritte das Ziel. Die im Ergebnisprotokoll ausgewiesenen

31:38,48 würde gewiss auch die WM-Norm bedeuten, doch dies sollte in einer

weiteren Einlaufüberprüfung korrigiert werden können. Die

slowenische Cross-Europameisterin Helena Javornik steigerte sich im

Abschlußtest vor dem Hamburg-Marathon um fast eine (!) Minute auf

31:56,90 und sicherte sich Rang vier. Eine Position, die nach 7000 m

zunächst die zweite deutsche Starterin Sabrina Mockenhaupt besetzen

konnte. Doch „Mocki“ hatte einmal mehr ihre Nerven nicht im Zaum

und stand wenig später neben der Bahn. „Es ist wie verhext! Warum

muss ich in jedem Jahr immer das erste 10 000 m-Rennen immer in den Sand

setzen!“ In der Tat, die EM-Zehnte von München scheiterte nach

Barracaldo und dem DM-Lauf in Dessau im dritten Jahr in Folge an ihrer Psyche.

„Mir ging in dieser Phase zu viel durch den Kopf. Dabei hätte ich

doch ‚nur‘ durchlaufen müssen. Aber ich wollte einfach mehr

als die absolut realistischen 31:50!“ Die kleine Siegerländerin

hatte sich mit glänzender Renneinteilung von Rang zwölf und einer

15:54 Minuten zur Streckenhälfte bis auf Rang vier vor Helena Javornik

vorgearbeitet, die Zwischenzeiten dabei frappierend gleichmäßig

gestaltet. „Ich verstehe einfach nicht, warum mußte ich dann auch

noch an der Javornik vorbeilaufen. Ich hätte einfach dahinter bleiben

müssen und am Schluß etwas riskieren sollen.....“ So sehr sich

auch Bundestrainer Wolfgang Heinig auch bemühte, die zumeist fröhlich

wirkende Sabrina Mockenhaupt war kaum zu beruhigen. „Ein Trost ist

natürlich, dass ich mit der in München gelaufenen 32:08,52 schon die

B-Norm habe. Nun muss ich eben die DM in einer guten Zeit gewinnen!“ gab

sie sich zu später Stunde aber schon wieder aufgestellt für weitere

Glanztaten. Bei den Männern zeigte sich nur Ismail Sghyr aus

„WM-tauglich“, denn bereits die mit deutlichem Abstand folgenden

Eduardo Henriques, Juan de la Ossa, Hose Ramos, und Marco Mazza lagen mit

Endzeiten über 28:00 Minuten schon deutlich über dem geforderten

Limit für Paris. Allerdings hatte das Rennen keineswegs jene

Qualität, mit der im Vorjahr im italienischen Camaiore Dieter Baumann in

einem dramatischen Finale Jose Rios und den späteren Europameister Jose

Martinez sowie Marco Mazza bezwungen hatte. Deutsche Läufer fehlten heuer

am Start.

Wilfried Raatz

Ergebnisse:

Athen (12.4.): European 10 000 m-Challenge: Männer: 1. Ismail Sghyr (Fra)

27:45,14, 2. Eduardo Henriques (Por) 28:05,09, 3. Juan de la Ossa (Esp)

28:07,19, 4. Hose Ramos (Por) 28:15,03, 5. Marco Mazza (Ita) 28:15,66, 6.

Helder Omelas (Por) 28:23,73, 7. Enrique Molina (Esp) 28:26,11, 8. Erik

Sjoovist (Swe) 28:32,45, 9. Vasilyev (Rus) 28:38,57, 10. Martin (Esp) 28:42,90,

11. Jensen (Den) 28:52,74, 12. Abramov (Rus) 28:54,44, 13. Petrovic (Cro)

28:55,12, 14. Kanellopoulos (Gre) 28:55,62, 15. Gualdi 29:01,30, 16.

Bartoletti-Stella (beide Ita) 29:09,31, 17. El Amhadi (Fra) 29:15,60, 18.

Viciosa (Esp) 29:25,14, 19. Nemeth (Bel) 29:30,12, 20. Tromans (Gbr) 29:31,44,

21. Maccagnan (Ita) 29:32,64, 22. Wannas (Fin) 29:42,31, 23. Smith (Gbr)

29:42,45, 24. Johansson (Swe) 29:48,49, 25. Bodor (Hun) 29:56,89, 26. Kotila

(Fin) 30:08,03, 27. Semenov (Rus) 30:14,41, 28. Matinlauri (Fin) 30:24,42, 29.

Margeisson (Isl) 30:37,78, 30. Zarkadas (Gre) 30:43,43; außer Wertung:

Zaragas 29:07,03, Gelasakis 29:!$;!); Papoulias 29:18,85 (alle Gre), Birchall

(Gbr) 30.32,58 - Mannschaften: 1. Portugal 1:24:43,85, 2. Spanien 1:25:16,20,

3. Italien 1:26:26,27, 4. Rußland 1:27:07,42, 5. Finnland 1:30:14,76.

Frauen: 1. Fernanda Ribeiro (Por) 31:13,42, 2. Irina Mikitenko (Ger/ LG

Eintracht Frankfurt) 31:37,15, 3. Ana Dias (Por) 31:38,48, 4. Helena Javornik

(Slo) 31:56,90, 5. Rocio Rios 32:03,99, 6. Maria Abel (beide Esp) 32:20,12, 7.

Elizabeth Yelling (Gbr) 32:22,21, 8. Amaia Piedra (Esp) 32:23,08, 9. Marconi

(Ita) 32:28,65, 10. Santiago (Esp) 32:33,34, 11. H. Yelling (Gbr) 32:37,12, 12.

Morianu (Fra) 32:40,70, 13. Vibjerg (Den) 32:42,73, 14. Balsamo (Ita) 32:49,06,

16. Dale (Gbr) 32:52,60, 17. Weisssteiner (Ita) 32:56,43, 18. Protopappa (Gre)

33:13,78, 19. Landoey (Nor) 33:14,75, 20. Rosa (Por) 33:26,23, 21. Damen (Gbr)

33:28,61, 22. Notz-Umberg (Sui) 33:46,69, 23. Tisi (Ita) 33:47,8, 24. Cabral

(Por) 33:50,9 – Mannschaften: 1. Portugal 1:36:18,14, 2.Spanien

1:36:47,20, 3. Groß-Britannien 1:37:11,94, 5. Italien 1:37:34,15.

 

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