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Finale im Deutschen Cross-Cup 2001

Sabrina Mockenhaupt und Michael Wolf gut aufgelegt – Trotz

Handicap zum Sieg: Edith Masai – Ärger um Jungstar: Wolfram

Müller verweigerte auf der Galoppbahn – Finale im Deutschen

Cross-Cup – Jan Förster siegt in Maximalpunktzahl bei der

Jugend

Bestbesetzung bei den Frauen, couragiertes Auftreten einiger der deutschen

Spitzenläufer, mit 999 Teilnehmern Melderekord, bestes Crosswetter –

und trotzdem wollte bei den Verantwortlichen der Veranstaltergemeinschaft bei

der 8. ASICS-Cross-Challenge auf der Neusser Galopprennbahn keine rechte Freude

aufkommen. Jungstar Wolfram Müller war der Stein des Anstoßes. Der

20jährige aus Pirna entschloss sich kurzerhand nach der

Streckenbesichtigung nämlich zum Nichtstart. „Die Strecke würde

mir schon Spaß machen, aber bei dem tief gefrorenen Boden ist mir das

Risiko zu groß. Ich bin gut drauf, habe gute Trainingsergebnisse,

bräuchte also vor niemand Angst haben. Doch vor Beginn der Hallensaison

und des EM-Jahres habe ich keine Lust, eine Verletzung zu riskieren!“

Gesagt, getan – und die Veranstalter schoben Frust. Schließlich

hatten die Challenge-Macher in erster Linie auf das deutsche Multitalent im

Kampf gegen die afrikanische Läufergarde gesetzt. „Ich bin tief

enttäuscht über das Verhalten von Wolfram Müller!“

wetterte Volker Koch, der sportliche Leiter der Cross-Challenge. „Wenn

ich denke, im Cross nicht zurecht zu kommen, dann laufe ich auch keinen. Es ist

kein Stil, sich anzumelden, sich als Zugpferd verkaufen zu lassen und dann

wegen des gefrorenen Bodens, den zuvor schon Hunderte von Schülern

gelaufen waren, den Start abzusagen!“

Zwangsläufig mussten dann vornehmlich die prominenten Läuferinnen

aus Kenia für den Höhepunkt einer klasse Crossveranstaltung setzen,

der nach Einschätzung vieler Experten einer „kleinen DM“

gleichkam. Letztlich Lob und Anerkennung für die ASICS-Cross-Challenge,

die einmal mehr atmosphärischer Finallauf des Deutschen Cross-Cup war. Was

wäre aber der Auftritt der Weltklasseathleten Edith Masai und Leah Malot

gewesen, wenn nicht eine mit unbändigem Kampfgeist bis auf die lange

Zielgeraden unvermindert gegenhaltende Sabrina Mockenhaupt über sich

hinaus gewachsen wäre? „Ich wollte allen in Neuss zeigen, was ich

tatsächlich drauf habe. Denn bei der EM in Thun lief es wirklich nicht gut

bei mir!“ unbekümmert plauderte das nur 1,55 m große

Energiebündel aus dem Siegerland über den Husarenstreich, der

letztlich doch nur zu Rang drei ausreichte. „Ach, es ist schon ein tolles

Gefühl, neben diesen beiden Klasseläuferinnen laufen zu

können!“ Aber nicht nur Sabrina Mockenhaupt wusste im Konzert der

Elite eine starke Rolle zu spielen, sondern auch Marathonfrau Sonja Oberem, die

nach zwischenzeitlich geringem Rückstand in der Schlussrunde sogar wieder

zum Führungstrio aufschließen konnte. Im furiosen Finale zwar mit

Rang vier vorlieb nehmen musste, aber aufgedreht kommentierte: „Ich habe

nicht gedacht, dass ich vier Wochen nach meinem Sieg beim Athen-Marathon meine

Beine so schnell bewegen kann!“

Eine kaum messbare Leistung aber zeigte die letztlich im Spurt gegen ihre in

drei Rennen ungeschlagene Landsfrau Leah Malot erfolgreiche Edith Masai, die

gut und gerne eine (!) Minute nach dem Startschuss erst das Rennen aufgenommen

hatte. „Edith hatte den Schlüssel zum Auto nicht gefunden, wo ihre

Laufutensilien lagen“, gab Managerin Dorothee Paulmann eine überaus

plausible Erklärung. Die Ruhe, die die Cross-WM-Dritte von Ostende

allerdings in den Minuten bis zu ihrem eigenen Start bewahrte, das ist schon

ein Phänomen für sich. Durch das komplette Frauenfeld arbeitete sich

Edith Masai im Sauseschritt letztlich nach vorne und konnte sich in der

Schlussrunde sich sogar mit spielerischer Eleganz für den Schlussspurt

rüsten. „Ich habe gebetet, dass ich die Spitze noch erreichen

würde“ erklärte sie den ungläubig Herumstehenden über

ihre Gefühle nach dem verpassten Start.

So sehr sich auch ein glänzend aufgelegter Michael Wolf bemühte,

das Husarenstück der Sabrina Mockenhaupt konnte er nicht wiederholen. Dazu

„spielten“ die Afrikaner zu sehr mit der Konkurrenz im

anspruchsvollen Galopprennbahn-Gelände, der Leverkusener landete aber

gleichfalls auf Rang drei hinter dem erstmals im Cross gestarteten

Überraschungssieger Sileshi Sihen aus Äthiopien und dem Kenianer

Hosea Kipurgat Kogo. „Heute ging es noch einen Schlag besser als in der

Vorwoche in Thun. Aber leider ist nun für mich als Marathonläufer die

Cross-Saison schon wieder vorbei, denn mein Augenmerk gilt alleine der

Vorbereitung auf den Hamburg-Marathon!“ Michael Wolf legte vom Start weg

ein hohes Tempo vor, dem alleine afrikanische Läufer folgen konnten.

„Es ist erschreckend, dass ich mit drei Wochen crossähnlichem

Training schon die Nummer eins bei uns bin. Das zeigt leider unser derzeitiges

Langstreckenniveau“, urteilte gewohnt kritisch Michael Wolf.

Keine Überraschungen gab es im Finallauf des Deutschen Cross-Cup, da

die hierzulande die Laufszene dominierenden Läuferinnen wie Irina

Mikitenko und Luminita Zaituc wegen anderweitiger Planung bzw. Verletzung nicht

oder kaum in Erscheinung traten, sodass in verstärktem Maße die

„zweite Reihe“ in der Gesamtwertung zum Zuge kam. In Abwesenheit

der stärksten deutschen Langstrecklerinnen holte sich die 20jährige

Tina Tremmel aus Eckmannshausen den Deutschen Cross-Cup bei Frauen, zudem auch

in der Klasse der Juniorinnen. Bei den Männern blieb der in Neuss nur auf

Rang zwölf einlaufende Oliver Mintzlaff in der Punktewertung vor dem in

Köln und Darmstadt siegreichen Mario Kröckert vorne, der wegen

Erkrankung in Neuss fehlte. Einen nachhaltigen Eindruck hinterließ Jan

Förster bei der männlichen A-Jugend, der nach dem deutschen

Crosstitel im Frühjahr in Regensburg die im Herbst ausgetragenen

Wettbewerbe in Köln, Darmstadt und nun auch in Neuss mit zum Teil

erheblichen Vorsprung gewann und somit die Maximalpunktzahl erreichte. In

Abwesenheit der U 20-EM-Dritten Antje Hoffmann (Halle) gewann Michaela Schedler

die A-Jugendklasse, während die in Neuss als schnellste Jugendliche

auftrumpfende 17jährige Claudia Kahl (Rostock) B-Jugend-Gewinnerin

wurde.

Wilfried Raatz

 

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