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Save the Date 28. September 2019
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Newsarchiv

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Geile Berge - eine Liebeserklärung

Entschuldigung.

Noch gar nicht so lange her, dass sich alle möglichen Menschen in aller

Öffentlichkeit immerzu entschuldigten. Der Kanzler für seine Politik,

Vorstände für ihre Gehälter, Filmsternchen für ihre

Affären. Heute entschuldige ich mich, zunächst bei den Leserinnen und

Lesern, weil ich nicht anders kann, als hemmungslos gut und ohne jedes

kritische Wort über dieses wunderbare Rennen zu schreiben.

Ich liebe es. Vergessen Sie die Berglaufexperten, die in ihren Vergleichen und

Rankings behaupten es gäbe steilere, schönere, anspruchsvollere,

schnellere Rennen im Gebirge. Es ist nicht wahr. Dieses Rennen ist das

Größte.

Beim K 78 in Davos sind 2.320 Höhenmeter sehr ungleichmäßig

über eine Strecke von 78,5 Kilometer verteilt. In zwölf Stunden

sollen die Läuferinnen und Läufer diese Strecke am letzten Samstag im

Juli bewältigt haben. Normalerweise genügend Zeit für

Frühstück, Wochenendeinkauf, Mittagessen, Rasen- und Autopflege,

Kaffee und Kuchen, Sportschau ...

Außerdem finden an diesem Samstag in und um Davos zwei verschiedene

Rennen über die Marathondistanz und ein Lauf über 30 Kilometer

statt.

Davos im Juli, Urlaubsstimmung

Davos im Juli, Urlaubsstimmung. Schon bei der Anreise mit der Rhätischen

Bahn zeigt die Landschaft in ihrer ganze Schönheit.

Modelleisenbahnlandschaft. Grüne Wiesen mit weidenden Kühen, kleine

Orte, wilde Bäche, Wälder und immer wieder das Panorama der Berge.

Wunderbar. Die ganze Stadt strahlt eine tiefe Ruhe und Freundlichkeit aus. Im

Hotel kennt man den Grund ihrer Reise, erkundigt sich nach der Form und hofft,

dass sie in diesem Jahr nicht wieder die Pflasterbestände im Haus

reduzieren, weil sie sich auf einer steilen Bergabpassage das Knie oder die

Hand aufgeschlagen haben.

Samstag 8.00 Uhr.

Die Sonne scheint, der Himmel ist blau. Die Läuferinnen und Läufer

werden vom gutgelaunten Stadionsprecher ermahnt, unterwegs reichlich zu trinken

und langsam zu laufen. Auch er wird heute einen langen Arbeitstag haben und

spät am Abend und immer noch gut gelaunt - „zeigen sie mir ihre

Nummer und ich sage ihnen wer sie sind“ - das Renngeschehen kommentieren.

Selbst erfahrene Langstreckenläufer gehen hier aufgeregt an den Start.

Leichte Panik, noch einmal zur Toilette und - zum drittenmal - - die

Schuhriemen kontrolliert.

Der Start.

Gemeinsam mit den Marathonläufern, die ihr Ziel in Bergün haben, und

den Teil-nehmern des 30 Kilometer Rennens geht es auf die Strecke. Eine weite

Runde durch Davos. Freundliches Publikum, bekannte Gesichter, man kennt sich

aus den letzten Jahren. Lockere Stimmung, da wir endlich losgelaufen sind.

Vorbei an grünen Wiesen, Kühen mit übergroßen Glocken,

Holzhäusern. Und überall das wunderbare Bild der Berge. Die roten

Züge der Rhätische Eisenbahn fahren Sonderschichten, um

möglichst viele Zuschauer an weiter entfernte Streckenteile zu

transportieren.

Langsam laufen ...

Um alles anzusehen, müsste man langsamer laufen. Langsam laufen, das

Problem zu Beginn des Rennens, man läuft hier eigentlich immer zu schnell

an. Bei Spina und Kilometer 10 gibt es das erste richtig steile Stück,

insgesamt führt die Strecke auf den ersten 32 Kilometern jedoch bergab.

Davos hat 1.500 Höhenmeter, Filisur bei Kilometer 30 nur 1.000. Bis

Filisur werden dunkle Wälder und das atemberaubende Landwassertal

durchquert. Ein schmaler Weg, ein wilder Bach, endlos steil aufragende Felsen.

Dann der schwindelerregende Viadukt in Wiesen. Die Läuferinnen und

Läufer überqueren den Gebirgsbach auf einem schmalen Holzbohlengehweg

direkt neben der Bahnlinie, gut 100 Meter über dem Talgrund.

„Mal sehen wie es in den Bergen wird.“

Filisur, die 30 Kilometer Läufer sind im Ziel. An der Verpflegungsstation

überwiegen nachdenkliche Gesichter. „Mal sehen wie es in den Bergen

wird.“ Bei Kilometer 32 ist der tiefste Punkt der Strecke erreicht und

von jetzt ab geht es 30 Kilometer weit fast nur bergauf - und wie. So richtig

beginnt der K 78 allerdings nicht erst hier, auch nicht an diesem 31. Juli um

acht Uhr früh.

Er beginnt spätestens drei Monate vor dem Startschuss. Bei mir stellt sich

meist nach dem ersten Frühjahrsmarathon das „Jan Ullrich

Gefühl“ ein:

Du bist zu langsam, zu fett, hast zu wenig trainiert und nur noch zwölf

Wochen Zeit. Von jetzt an steht die Vorbereitung auf Davos im Mittelpunkt des

Läuferlebens. Freunde werden vernachlässigt, kein Pizzaessen, kein

Italienisch-Kurs, kein Lauf in Ratingen, kein Kinoabend. Tut mir leid, ich

musste laufen. Deshalb, Jochen, Steffi, Bernd, Christine, Judith und

Andreas:

Entschuldigung.

Wer hier nicht anhält um zurück und über das Tal zu

schauen ist selber schuld ...

Bergauf bis Bergün, schmale Waldwege zunächst, dann die steile

Landstraße. Wer hier nicht anhält um zurück und über das

Tal zu schauen ist selber schuld. Viel Publikum ist heute im schönen alten

Bergün. Die Wege der Marathonläufer und der Langstreckler trennen

sich am Ortseingang. Um 11.30 startet in Bergün das zweite Marathonrennen

an diesem Tag. Die Läufer dieses Marathons haben fast dieselbe Strecke wie

die K 78er bis zum gemeinsamen Ziel in Davos. Langstreckler, die diesen Punkt

der Strecke vorher erreichen, werden von den frischen Marathonläuferinnen

und Marathonläufern eher früher als später überholt. Das

fachkundige Publikum kann die Teilnehmer der beiden Rennen an den

unterschiedlichen Startnummerfarben unterscheiden und der Applaus für die

Langstreckler ist immer eine Spur herzlicher. Hinter Bergün haben die

Läuferinnen und Läufer des K 78 einen Marathon in den Beinen und

einige haben, wie befürchtet, ihre Marathonbestzeit für dieses Jahr

eingestellt. Es ging schließlich lange bergab, die richtigen Steigungen

stehen noch bevor.

Ein Hochtal, bunte Blumen ... ... ... das Mittelfeld wandert

...

Mittag bei Kilometer 47, Strecke steil, Wetter heiß. Ein Hochtal, bunte

Blumen und wieder die wunderbare Aussicht auf die Berge. Chants, der letzte Ort

vor dem Auf-stieg zur Ketschhütte. Die Bäume werden kleiner, die

Landschaft rauer. Hinter Chants laufen nur noch die Allerbesten, das Mittelfeld

wandert, zwei Kilometer steil bergauf können so furchtbar lang sein. Die

Belohnung dafür gibt es bei Kilometer 50. Die erste Verpflegungsstation im

Hochgebirge jenseits der Baumgrenze. Essen und Trinken und ein langer Blick

zurück auf das Erreichte. „Da unten waren wir vorher

noch.“

Atemberaubend im wahrsten Sinne des Wortes. Bis zur Keschhütte geht es

dann durch hochalpine Felslandschaft. Sonne, blauer Himmel, klares Wasser quert

den Weg. Keschhütte, wir sind oben. Stimmung wie im Karneval, dass die

wenigen Zuschauer hier oben soviel gute Laune verbreiten können -

schön.

Erstmals führt unser Weg kurz und steil bergab, dann wieder hoch, zum

Panoramatrail, dem schönste Wegstück des Rennens.

Aussicht auf Berge, Berge, Berge ... ...

Ein schmaler Weg, Felsbrocken verschiedenster Größe

unregelmäßig darauf verteilt, links geht es weit und steil berghoch,

rechts geht es genauso bergab. Gras, Blumen, Felsen, blauer Himmel, Sonne und

die Aussicht auf Berge, Berge, Berge. Überholen ist auf diesem schmalen

Weg nur nach Vorankündigung möglich. „War es 2000 als es hier

immerzu geregnet hat und die Steine so furchtbar glatt waren?“ Ein sehr

schöner und unterhaltsamer Streckenabschnitt. Eine Verpflegungsstation an

einer der wenigen breiteren Stellen der Strecke. Die Getränke müssen

mit dem Hubschrauber transportiert werden.

Helferinnen und Helfer, die hier einen ganzen Tag lang im heißen

Hochgebirge arbeiten, sind wie in jedem Jahr geradezu unglaublich freundlich

und hilfsbereit. Überhaupt ist die Versorgung ist auf der ganzen Strecke

perfekt organisiert.

Höhepunkt und letzter Gipfel der Reise ...

Eine lange Linkskurve, der Scalettapass ist zu sehen, 2606 Meter,

Höhepunkt und letzter Gipfel der Reise durch die Graubündener

Alpenlandschaft. Auf dem Pass schaut uns der Rennarzt fest in die Augen und

schickt uns mit einem kräftigen Hän-dedruck auf die letzten 18

Kilometer. Keine Liebe ohne Krise, die nächsten Kilometer führen

steil, über Geröll und durch einige Schneefelder bergab, ich mag

diesen Teil der Strecke nicht, zu steil, zu steinig, will mich jetzt nicht mehr

auf den Weg konzentrieren, lieber Berge schauen. Dann ist Dürrboden

erreicht.

Zuschauer, die von Davos aus mit dem Rad oder zu Fuß hierhin gekommen

sind, sorgen für gute Stimmung und eine schöne Abwechslung nach dem

nahezu zuschauerfreien Hochgebirge.

... warum, liebe Berliner, habt ihr den schönen

Havelhöhenweg so furchtbar perfekt renoviert ... ... ?

Die letzten 13 Kilometer: Lang und stetig bergab führt die Strecke durchs

Tal der Dischma. Die Farben der Wiesen sind jetzt nicht mehr so leuchtend, es

wird Abend. Diese letzten Kilometer sind ist manchmal ein Kinderspiel, manchmal

der reine Frust. War es 2001? Ich war so am Ende, dass ich mich auf eine Bank

gelegt habe und für zwanzig Minuten eingeschlafen bin. In diesem Jahr geht

es glatt und gut. Die vielen Trainingskilometer zahlen sich spätestens

hier aus. Zuletzt hatte Ute darunter zu leiden, die nur im Schlachtensee

schwimmen wollte und mich dann drei Stunden lang wassertragend und auf dem Rad

über sandige Grunewaldwege - warum, liebe Berliner, habt ihr den

schönen Havelhöhenweg so furchtbar perfekt renoviert?

Der war früher viel schöner - begleitet hat, bis das Sitzen schwer

fiel und ein Knie schmerzte:

Entschuldigung.

Verschwitzte Läufer begegnen gebügelten Golfern

...

Der letzte Anstieg für heute kurz vor Davos. Verschwitzte Läufer

begegnen gebügelten Golfern. Seit dem letzten Jahr führt die Strecke

dann einen langen und langweiligen Kilometer durch eine unbelebte

Nebenstraße und das, liebe Veranstalter, solltet ihr schnellstens wieder

ändern. Publikum in der Stadt, das Stadion ist menschenvoll,

fröhliche Zuschauer, Applaus:

Im Ziel.

Ich hatte immer den Verdacht, dass sich die anfangs zitierten berühmten

Menschen nur entschuldigen, weil Öffentlichkeit, Freunde, Familie das so

erwarten. Beim Aus-sprechen der Entschuldigung wissen sie ganz genau, dass sie

sich in Zukunft nicht anders verhalten werden. Natürlich werde ich am

30. Juli 2005 wieder in Davos laufen und in den Monaten vorher

sehr beschäftigt sein:

Entschuldigung.

Frank Bielefeld

Ergebnisse und Fotos zum Rennen gibt es unter:

www.swissalpine.ch

 

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