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Save the Date 28. September 2019
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Newsarchiv

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Halbmarathon-WM in Vilamoura

Die Hoffnungen der Titelverteidigerin Berhane Adere auf einen erneuten

Titelgewinn bei den Halbmarathon-Weltmeisterschaften im portugiesischen

Vilamoura machte keine andere zunichte als Paula Radcliffe. Die britische

Marathon-Weltrekordlerin zeigte sich nach ihrem verletzungsbedingten Verzicht

auf die Bahn-WM in Paris glänzend erholt und ließ ihrer

äthiopischen Rivalin nicht den Hauch einer Chance. Mit einem resoluten

Tempolauf gewann die 29jährige nach 2000 und 2001 mit 1:07:35 Stunden und

dem bislang größten Vorsprung bei einer Weltmeisterschaft von 1:27

Minuten nun den dritten Titel innerhalb von vier Jahren. Im Duell der

Verfolgerinnen holte sich Berhane Adere die Silbermedaille vor der Australierin

Benita Johnson, die 24 Sekunden später als Dritte folgte.

Auf der Wendepunktstrecke in Vilamoura, bereits Austragungsort der

Cross-Weltmeisterschaften 2000, machte Paula Radcliffe von Beginn an Druck und

lief bereits nach fünf Kilometern mit einem Fünf-Sekunden-Vorsprung

vor Susan Chepkemei und Berhane Adere an der Spitze des 73 Läuferinnen

umfassenden Feldes. Eine vierköpfige weitere Verfolgergruppe mit Benita

Johnson, Lydia Grigoryeva, der Marokkanerin Zhor el Kamch und Teyba Erkesso

lagen bereits 16 Sekunden zurück. In einer weiteren Verfolgergruppe auch

die deutsche Meisterin Luminita Zaituc mit einem weiteren Abstand von 25

Sekunden. Auf dem Weg zur Wende hielt die Britin das Tempo unverändert

hoch, während Chepkemei und Adere weiteren Boden verloren und bereits 36

Sekunden zurück folgten. Luminita Zaituc lief zu diesem Zeitpunkt in einer

illustren Gesellschaft mit der Cross-Europameisterin Helena Javornik und der 10

000 m-Challenge-Siegerin Mihaela Botezan, doch wenig später war sie nicht

mehr im Rennen. Schade, denn die Braunschweigerin hatte gerade nach einer

problembehafteten Saison zumindest auf einen erfolgreichen Herbst gesetzt und

sich nach Vilamoura die Option noch auf einen flotten Marathonlauf offen halten

wollen.

Bei zunehmenden Mittagstemperaturen musste auch Paula Radcliffe ihrem hohen

Tempo Tribut zollen und alle Hoffnungen auf eine weitere Weltbestzeit begraben.

Vor zwei Wochen erst war die Britin beim “Great North Run“ in

Newcastle mit 1:05:40 Stunden die aktuelle Weltbestzeit gelaufen. Eine

Anerkennung dieser Höchstmarke steht allerdings noch aus, da die Strecke

ein unzulässiges Gefälle aufweist. Den dritten Weltmeistertitel nach

Veracruz und Bristol wird Paula Radcliffe allerdings niemand mehr nehmen

können, denn auch Berhane Adere musste in der Mittagshitze die

Überlegenheit der weltbesten Straßenläuferin neidlos anerkennen

und lief mit fast eineinhalb Minuten Rückstand als Zweite ins Ziel. Aderes

hartnäckige Begleiterin Susan Chepkemei wurde hingegen lediglich Achte.

“Nach zehn Kilometern habe ich erkennen müssen, dass der Rekord

nicht zu verwirklichen sein würde!“ bekannte die Frontläuferin.

Später räumte sie allerdings ein, dass diese Strecke keineswegs

für Weltrekordzeiten geeignet war. “Es war ein sehr schweres Rennen.

Mich überraschte vor allem, dass die Konkurrenz so rasch zurück

gefallen war!“ Alleine auf sich gestellt, kämpfte sie jedoch gegen

die aufkommende Ermüdung Kilometer um Kilometer, wollte sie doch ihren

Teamkolleginnen eine schnelle Zeit für eine gute Mannschaftsplatzierung

mitgeben. “Ich wollte schon schnell rennen, nicht zuletzt weil der

Teamwettbewerb für uns sehr wichtig ist!“ Doch alle Mühen ihres

Stars waren vergebens, die Mannschaft Großbritanniens ging als

Fünfte jedoch leer aus. Überraschend setzte sich übrigens

Russland gegen Japan und Rumänien durch. Eine faustdicke Überraschung

war hingegen das Abschneiden der ostafrikanischen Läuferinnen, die diesmal

leer ausgingen. Äthiopien wurde Vierter, die Kenianerinnen stürzten

hingegen auf Rang neun noch hinter Spanien, Frankreich und Italien ab.

Während bei den Frauen das Rennen schon frühzeitig zugunsten von

Paula Radcliffe entschieden war, spurteten bei den Männern mit dem

Kenianer Martin Lel und den überraschend stark auftrumpfenden Fabiano

Joseph und Martin Hhaway Sulle aus Tansania um den Titel, während mit John

Cheruiyot Korir ein weiterer Kenianer kurz vor dem Ziel im Kampf um die

Medaillen bereits ausgeschieden war. Der Mann des Tages war Martin Lel, der

letztlich in 1:00:49 Stunden knapp gegen die beiden Tansanier die Oberhand

behielt. Der 25jährige, der im Vorjahr als Zweiter in Venedig hinter

seinem Landsmann David Makori mit 2:10:02 Stunden schon etwas aufgefallen war,

rückte erst durch seinen Halbmarathonsieg im Frühjahr auf der stark

abschüssigen Strecke in Lissabon mit 1:00:10 Stunden vor dem

Südafrikaner Hendrik Ramalaa und Robert Cheruiyot stärker ins

Blickfeld, im geschlagenen Feld dabei übrigens der aktuelle

Marathon-Weltrekordler Paul Tergat und der letztjährige

Boston-Marathonsieger Rodgers Rop

“Portugal bringt mir offensichtlich Glück!“ bekannte Lel im

Ziel, schließlich holte er nach seinem Achtungserfolg im Frühjahr

nun hier auch das Weltchampionat. “Mein Ziel ist der New York

Marathon“ umreißt der Trainingskollege von Elijah Lagat und Simon

Bor, den früheren Marathonsiegern von Boston und Los Angeles, seine

nächsten Ziele. “nach vierzig Minuten wusste ich bereits, dass ich

eine Medaille gewinnen kann“, so der selbstbewusste junge Mann. Im

schnellen Ausscheidungsrennen, in dem nach dem Abfallen des

Marathon-Weltmeisters Abderrahim Goumri nach dem Wendepunkt

ausschließlich Ostafrikaner den Kampf um die Medaillenränge

ausmachen sollten, war er Martin Lel zusammen mit dem Tansaniern und dem

überraschend starken Zersenay Tadesse aus Eritrea zumeist an der Spitze zu

finden. Für die Europäer gingen die Trauben einmal mehr sehr hoch,

als Dreizehnter lief dabei der Portugiese Paulo Gomes noch am besten.

Das Team des Tages war allerdings keineswegs Kenia, sondern Tansania. Mit

dem Zweiten Fabiano Joseph und dem Dritten Martin Hhaway Sulle und zudem John

Yuda, der nach zweimal Rang drei mit Muskelkrämpfen diesmal als

Fünfter der Einzelwertung leer ausgegangen war, verdrängten die stets

im Schatten von Äthiopien und Kenia stehenden Ostafrikaner die beiden

großen Läufernationen vom Siegespodest. Acht Sekunden zurück

die entthronten Kenianer um den neuen Weltmeister Lel und Äthiopien, das

alleine Tesfaye Tola unter die besten Zehn bringen konnte und mit vier Minuten

Rückstand Bronze gewann.

Wilfried Raatz

 

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