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Save the Date 28. September 2019

Newsarchiv

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Mein Ziel ist der Endlauf bei der WM in Helsinki - René Herms vor der Weltmeisterschaft

Am 6. August werden in Helsinki die 10. Weltmeisterschaften der

Leichtathleten eröffnet. 22 Jahre nach der ersten Weltmeisterschaft in

Helsinki gehört wieder ein sächsischer Läufer zum WM-Aufgebot. Der

Pirnaer René Herms, deutscher Abonnementsmeister über 800 m der letzten

Jahre, will dort ein großes Ziel erreichen, die Finalteilnahme bei

einer großen internationalen Meisterschaft. Wir sprachen mit ihm vor

seiner Abreise.

Hallo René,

vor wenigen Wochen bist Du zum fünften Mal in Folge Deutscher

Meister geworden. Dazu nochmals herzlichen Glückwunsch! Im eigenen Land

gibt es also kaum ein Ziel, um sich Jahr für Jahr neu zu motivieren.

Ist der deutsche Methusalem-Rekord über 800 m von Willi Wülbeck

(1:43,65 min), der 1983 in Helsinki mit dieser Zeit den

Weltmeistertitel holte, so ein Ziel? Immerhin läufst Du ja nächste

Woche im Olympiastadion an gleicher Stätte und aus selben Anlass?!

René Herms

Das Ziel, diesen Rekord irgendwann anzugreifen, besteht sicherlich.

Willi Wülbeck war 27 Jahre, als er diesen Rekord aufgestellt hat. Ich

habe also noch ein paar Jahre Zeit. Ich denke, im Alleingang diese

Zeiten zu laufen, ist ein schwieriges Unterfangen. In Helsinki ist

vieles möglich, man kann mit einer Topzeit gewinnen oder vielleicht mit

einer in Anführungszeichen weniger guten Zeit. Das ist alles eine Frage

der Rennentwicklung. Am Ende fragt keiner mehr nach der erzielten Zeit

bei einer Weltmeisterschaft, da zählt nur die Platzierung.

Du bist einer der wenigen jungen Leichtathleten, die in den

letzten Jahren immer den Sprung zum Saisonhöhepunkt geschafft haben.

Gleichzeitig kommst Du aus einem kleinen sächsischen Verein, dem Du

seit Beginn Deiner sportlichen Karriere die Treue gehalten hast. Was

ist aus Deiner Sicht das Besondere an Deinem Training und Deinem Umfeld?

René Herms

Wir trainieren sicherlich genauso viel wie andere Leute auch. Ich

meine, wir trainieren qualitativ hochwertiger. Unser Motto lautet

deshalb ja auch: „Qualität statt Quantität!“. Das Positive an unserem

Umfeld sind vor allem die kurzen Wege. Physiotherapie, ärztliche

Betreuung, Entspannungsbecken und alles was zum Hochleistungssport dazu

gehört, liegen in unmittelbarer Nähe unserer Trainingsstätten. Die

Laufstrecken im Wald und an der Elbe beginnen fast am Stadion. Ich

denke, das Gesamtpaket ist einfach leistungsfördernd. Das Institut für

angewandte Trainingswissenschaften aus Leipzig begleitet uns oft ins

Trainingslager oder ist hier vor Ort. Die Leipziger Wissenschafter

bieten uns beste Möglichkeiten, um unser Training aus medizinischer und

trainingsmethodischer Sicht zu analysieren. Ohne diese Zusammenarbeit

wären wir sicher nicht so weit gekommen.


Auf Deiner Homepage steht, ich zitiere: „Ein guter Läufer muss nicht

nur ehrgeizig sein, sondern auch ein wenig Egoismus besitzen.“ Was

meinst Du damit?

René Herms

Na gut, als erfolgreicher Sportler besteht schnell die Gefahr,

arrogant zu wirken. Man gerät in den Blickpunkt der Öffentlichkeit,

gibt Interviews und manchmal werden dann Äußerungen als Prahlerei

abgetan. Aber ich laufe natürlich, um auch Titel zu gewinnen. Und wenn

man erfolgreich ist, steht man auch schnell im Medieninteresse. Warum

sollte man das Erreichte nicht auch in den Vordergrund stellen? Ein

gewisses Ego und der nötige Ehrgeiz gehören einfach dazu.

Vor kurzem bist Du 23 Jahre alt geworden. Im letzten Jahr gab es

sowohl sportlich mit Deiner ersten Olympiateilnahme als auch privat

(René heiratete im Herbst 2004 seine Freundin Steffi) nicht alltägliche

Erlebnisse für Dich. Hat dies den Menschen René Herms verändert?

René Herms

Eigentlich würde ich nicht sagen, dass ich ein anderer Mensch

geworden bin. Mit meiner Frau habe ich ja schon vor unserer Hochzeit

vier Jahre zusammengelebt. Ich glaube, ich bin jetzt etwas gefestigter

und ruhiger. Die Einstellung zu meinem Sport ist professioneller

geworden. Im Halbfinale bei den Olympischen Spielen ist eine Menge

schief gelaufen, woraus dann auch das Ausscheiden resultierte. Darüber

war ich schon verärgert. Aber ich habe die positiven Dinge daraus

mitgenommen und meine Lehren gezogen. Ich denke, dieses Jahr konnte ich

dies schon ganz gut umsetzen.

In den ersten sechs Rennen des Jahres bist Du an den verschärften

Normen des DLV (zweimalige Normerfüllung von 1:45,40 min) vorbei

gerannt. Danach platze dann der Knoten und Du konntest innerhalb

weniger Tage die Norm in Straßburg, Wattenscheid und Cuxhaven gleich

dreimal unterbieten. Seit Jahren stehen ja in der Öffentlichkeit

Vorwürfe im Raum, manche Athleten würden als Touristen zu

internationalen Meisterschaften fahren und sich dort nach den

Vorkämpfen verabschieden. War die Normerfüllung im Hinterkopf für Dich

eher belastend oder findest Du es richtig vom Verband, die Athleten auf

diesem Weg mehr zu fordern?

René Herms

Das ist schwierig zu beurteilen. An der gesunkenen Mannschaftsstärke

im Vergleich zum letzten Jahr sieht man die Auswirkungen der

verschärften Normen ja deutlich. Auf der einen Seite sind die Normen so

gesetzt, dass man auch international konkurrenzfähig ist. Auf der

anderen Seite vergisst man die jungen Athleten, die man ja eigentlich

fördern will. Diese sind oftmals noch nicht so weit in ihrer

Entwicklung, um solche Leistungen konstant abzuliefern. Wenn der

Verband da ein paar Abstriche machen würde, um den jungen Athleten die

Teilnahme an einem solchen Großereignis zu ermöglichen, wäre das sicher

in einigen Disziplinen besser für die Zukunft.

Für mich persönlich bedeutete die Normverschärfung Geduld zu haben. Das

Training ist ja auf den Saisonhöhepunkt ausgelegt und dieser ist nun

mal erst im August. Hinzu kam der kurze Zeitraum, um die Norm zweimal

zu laufen. Man hat ja gesehen, dass die Rennen umso schneller und

konstanter wurden, je länger die Saison lief. Das muss man sich im

Training alles erst einmal erarbeiten.

In diesem Sommer hast Du abweichend von Deiner bisherigen

Renntaktik, mit einem furiosen Endspurt das Feld von hinten

aufzurollen, öfters bereits früh das Heft des Handels in die Hand

genommen und bist von der Spitze weg gelaufen. Ist dies der Versuch,

Fehler der Vergangenheit zu vermeiden und durch ein breiteres

taktisches Vermögen ein Rennen auch selbst gestalten zu können?

René Herms

Ja sicher, man lernt dazu. Es war ein Versuch, taktisch

interessantere Rennen abzuliefern. Nicht immer ist es klug, ganz von

vorn zu laufen, da sich die Konkurrenten dann an dir orientieren. Ich

kann mit meinem Endspurt auch noch von hinten einen Lauf gewinnen. Aber

wir wollten es dieses Jahr einfach versuchen. Früher im Jugendalter bin

ich oft so gelaufen. Auch jetzt lief es mit dieser Taktik ganz gut und

die Resultate geben mir Recht. Darüber bin ich eigentlich ganz froh.

International reicht es einfach nicht, auf den eigenen Endspurt zu

vertrauen. Ich weiß jetzt, dass die Großen der Szene zu schlagen sind.

Die müssen auch erstmal das Stehvermögen zeigen, um an mir vorbei zu

laufen. Bei der Weltmeisterschaft werden wir sehen, was passiert.

Zurzeit trainierst Du bis zur Abreise nach Helsinki am Montag in

deiner Heimatstadt Pirna. Wie wirst Du die Zeit bis zu Deinem ersten

Start am Donnerstag verbringen? Wie lenkst Du Dich neben dem Training

von der steigenden Nervosität ab und hast Du ein Geheimrezept für die

unmittelbare Wettkampfvorbereitung?

René Herms

Es wird ganz normal weiter trainiert, allerdings mit etwas

geringerer Intensität, um die nötige Regeneration zu gewährleisten.

Ansonsten werden wir uns an den zeitlichen Tagesablauf gewöhnen, wir er

an den Wettkampftagen sein wird. Das beginnt bei den Mahlzeiten und

geht bis hin zum Training. Der Tag des eigentlichen Wettkampfs ist von

der Anspannung her sicher der Schlimmste, aber wenn der Startschuss

ertönt, ist diese Anspannung eigentlich wie weggeblasen. Eine

Geheimrezept habe ich nicht, ich versuche mich einfach auf meine Läufe

zu konzentrieren und bestmöglich vorzubereiten.

Nach der Europameisterschaft 2002 in München, den

Weltmeisterschaften 2003 in Paris und den Olympischen Spielen 2004 in

Athen wird Helsinki Deine vierte internationale Meisterschaft bei den

Senioren sein. Abgesehen vom 7. Platz in München war jeweils im

Halbfinale Schluss. Welche Lehren hast Du daraus gezogen und mit

welchen persönlichen Erwartungen reist Du zur Weltmeisterschaft?

René Herms

Ich möchte auf jeden Fall hinterher von mir sagen können, das ich

mein Bestes gegeben habe. Ich werde versuchen, mich nicht nur im Feld

zu verstecken. In der Vergangenheit stand in der Presse teilweise der

Vorwurf, ich hätte mich nicht gezeigt. Daher will ich lieber offensiv

agieren. Wenn dann andere an diesem Tag besser sind, habe ich

wenigstens alles probiert. Für meinen Verein, meinen Trainer und mich

ist die Nominierung für die Großereignisse bereits ein wichtiger Erfolg

und die Würdigung unserer Trainingsarbeit. Bei der Leistungsdichte in

der Weltspitze wird es harte Rennen in Helsinki geben, aber mein Ziel

ist schon der Endlauf. Favoriten sind für mich der Titelverteidiger

Djabir Saïd-Guerni, der diese Saison wenige Rennen gemacht hat und

sicher gut vorbereitet an den Start gehen wird, der Jahresweltbeste

Mbulaeni Mulaudzi und der Olympiasieger Yuriy Borzakovskiy. Auch einen

Wilfried Bungei muss man immer beachten.

Wo möchtest Du gern am 14. August um 19.30 Uhr sein und was sind Deine Pläne für die Zeit nach der Weltmeisterschaft?

René Herms

Ich hoffe mal, auf der Bahn im Olympiastadion. Dann wird der Endlauf

in Helsinki gestartet und die Karten werden neu gemischt. Dann ist

alles möglich.

Nach der WM stehen noch einige Meetings an, u.a. beim ISTAF in

Berlin. Danach folgt ein Übungsleiterlehrgang bei der Bundeswehr. Im

Oktober beginnt dann bereits die Vorbereitung auf die Saison 2006 mit

einem Grundlagen-Trainingslager.


Wir wünschen Dir Gesundheit und viel Erfolg und bedanken uns für das Gespräch.

Das Gespräch führte Olaf Böhme

 


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