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Save the Date 28. September 2019

Newsarchiv

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WM-AKTUELL: Überraschungen im Marathon und über 5000 Meter

Mit einer Überraschung endete der Marathon der Männer bei der WM in

Paris. Der neue Weltmeister heißt Jaouad Gharib und kommt aus Marokko. Er

gewann in 2:08:31 Stunden. In der Marathonszene war Gharib ein unbekannter,

sieht man davon ab, dass der 31-Jährige in diesem Jahr bei seinem

Marathondebüt in Rotterdam als Sechster 2:09:15 Stunden gelaufen war. Im

letzten Herbst allerdings hatte Jaouad Gharib die Silbermedaille bei den

Halbmarathon-Weltmeisterschaften gewonnen. Damals war ein Kenianer schneller

als der Marokkaner: Paul Kosgei. Beim WM-Marathon nun gewannen weder die

Kenianer noch die Äthiopier eine Medaille, was allerdings bei den

vorhergehenden Rennen bei der WM schon öfter passiert ist. Silber ging an

den Spanier Julio Rey in 2:08:38, Bronze gewann der Italiener Stefano Baldini

in 2:09:14. Deutsche Läufer waren im Marathon nicht am Start.

“Ich möchte mich bei den französischen Zuschauern bedanken,

die mir sehr geholfen haben an diesem Tag“, sagte Jaouad Gharib und

fügte hinzu: “Es ist eine große Ehre für mich, für

Marokko die zweite Goldmedaille nach Hicham El Guerrouj gewonnen zu haben. Ob

ich überrascht bin? Nein, nicht so sehr – ich habe hart dafür

gearbeitet.“ Erst vor zwei Jahren tauchte der Marokkaner in der

internationalen Szene auf und erreichte eine Reihe von erstklassigen Zeiten.

Allerdings konzentrierte er sich in dieser ersten internationalen Saison noch

auf die Bahnrennen. Über 3000 Meter erreichte er dabei 7:39,22 Minuten und

über 10.000 m 27:29,51. Über die lange Bahndistanz stand er auch bei

der WM 2001 in Edmonton im Finale und wurde Elfter. Eine gute

Grundschnelligkeit brachte Jaouad Gharib mit – und die war am Ende auch

entscheidend im Kampf um die Goldmedaille, den er mit einem langen Endspurt

gegen Julio Rey gewann. “Ich bin mehr als zufrieden mit der Medaille,

denn zwischendurch dachte ich, ich komme gar nicht mehr an“, sagte Julio

Rey.

Bei idealen Temperaturen von 14 ° Celsius hatte das Rennen vor dem

Pariser Rathaus begonnen, allerdings gab es zwischendurch mehrere starke

Regenschauer. Für die Franzosen gab es schon vor dem Start eine

Enttäuschung. Denn Benoit Zwierzchiewski, der im April beim Paris-Marathon

als Zweiter in 2:06:36 Stunden den Europarekord eingestellt hatte, stand zwar

noch auf der Startliste, verzichtete jedoch auf dieses Rennen.

In ruhigem Tempo passierte eine große Führungsgruppe mit 41

Läufern die Halbmarathonmarke nach 64:45 Minuten. So richtig begann das

Rennen erst danach. Julio Rey war einer der ersten, der mit einem

plötzlichen Antritt die Führung übernahm. Doch während er

längst wieder eingefangen war, als das Feld die 30-km-Marke erreichte

(1:32:32 Stunden), war ein anderer ausgestiegen. Es ist schwierig in solch

einem Feld ein paar Favoriten auszuwählen – das zeigten auch die

Ergebnisse. Aber einer gehörte bestimmt in diese Gruppe: Der Olympiasieger

und Titelverteidiger Gezahegne Abera. Bis Kilometer 25 (1:17:09) lief der

Sieger des London-Marathons im April noch in der großen

Führungsgruppe, dann stieg der Äthiopier aus.

Es war dann etwa bei Kilometer 33, als Jaouad Gharib antrat und die immer

noch rund 15-köpfige Führungsgruppe auseinander fiel. Lediglich Julio

Rey und der Kenianer Michael Rotich, der im April den Paris-Marathon in der

Jahresweltbestzeit von 2:06:33 gewonnen hatte, konnten folgen. Doch Rotich fiel

bei Kilometer 37 wieder zurück und wurde am Ende nur noch Achter. Als

erstes überholte ihn Stefano Baldini, der am Ende Bronze gewann.

Zweimal war die Äthiopierin Derartu Tulu Olympiasiegerin über

10.000 m. Jetzt kam eine Kusine von ihr und wurde Weltmeisterin über 5000

m: Tirunesh Dibaba. “Derartu hat mir vor dem Rennen sehr geholfen –

ich glaube, jetzt ist sie sehr stolz auf mich“, sagte die 18-jährige

Weltmeisterin, die den Titel im Endspurt in 14:51,72 Minuten vor der Spanierin

Marta Dominguez (14:52,26) und Edith Masai (Kenia/14:52,30) gewann. Noch 200

Meter vor dem Ziel hatte Dibaba etwa an sechster Stelle gelegen, dann kam sie

ausgangs der Zielkurve von außen und ging noch an allen vorbei. Dagegen

spielten zwei frühere Weltmeisterinnen über diese Strecke in Paris

keine Rolle: Gabriela Szabo (Rumänien) wurde Elfte, die Irin Sonia

OSullivan 15.

Keine Rolle spielten auch die beiden Medaillengewinnerinnen über 10.000

m. Weltmeisterin Berhane Adere (Äthiopien) hatte keine Kraft mehr im

Endspurt und wurde Zehnte, die Chinesin Yingjie Sun, Dritte über 10.000 m,

belegte Rang neun. “Ich kann es nicht glauben. Das sind meine ersten

Weltmeisterschaften, und ich gewinne gleich den Titel. Ich hatte vor allen

Dingen mit Berhane Adere gerechnet“, sagte Tirunesh Dibaba. Auch die

Silbermedaillengewinnerin war überrascht über ihren Erfolg:

“Ich hatte eine schwache Saison, deswegen ist ein Platz auf dem

Siegespodest die Erfüllung eines Traumes für mich“, sagte Marta

Dominguez und fügte hinzu: “Ich hatte gedacht, dass Yingjie Sun

gewinnen würde.“

Im Vorlauf ausgeschieden war Irina Mikitenko (Eintracht Frankfurt). Sie

verpasste als Neunte in 15:06,97 Minuten das Finale um knapp drei Sekunden. Man

merkte Irina Mikitenko an, dass sie nach langen Verletzungs- und

Gesundheitsproblemen einfach noch nicht wieder in Topform ist. “Ich hatte

gehofft, dass unser Vorlauf so schnell wird wie der erste, aber leider war das

nicht der Fall. Nach meinen Verletzungsproblemen fehlt mir noch die Kraft

für die Grundschnelligkeit“, sagte Irena Mikitenko, die deswegen

über 10.000 m bessere Perspektiven gehabt hätte. Doch der DLV

ließ sie die längere Distanz nicht laufen, weil hier Sabrina

Mockenhaupt nominiert worden war.

 

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